„Sie brennen und morden“

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– „Ende der christlichen Brüder im Nahen Osten ist Vorgeschmack für Martyrium des Westens“ – Mossul nach Ultimatum „christenfrei“

 

25. Juli 2016 1Der Bischofssitz von Mossul wurden am Samstag niedergebrannt(Rom/Berlin/Bagdad) Die Attentate von Muslimen ziehen sich wie eine blutige Spur durch den Nahen Osten, den Norden Afrikas, Südostasien und inzwischen auch Europa. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine grausame Tat berichtet werden muß. Im vergangenen Jahr hatte es bereits Österreich getroffen, als ein Muslim sein Auto zum Mordwerkzeug umfunktionierte. Drei Menschen starben, mehr als zwei Dutzend wurden verletzt. Nun trifft es auch die Bundesrepublik Deutschland. Politik und Medien versuchen zwar zielstrebig vom Islam abzulenken und diskutieren beharrlich am Thema vorbei. Sie versagen damit ein weiteres Mal, nachdem sie das eigene Land nicht beschützt und die Bürger nicht gewarnt haben. Und sie behindern den Aufbau einer notwendigen inneren Abwehrhaltung, die zur Abwehr von Gefahren unerläßlich ist. Die Wirklichkeit können sie damit zwar schönreden, verändern können sie sie aber nicht. Gleichzeitig mit den Attentaten in Frankreich und Deutschland ist eine Nachricht aus Mossul eingetroffen. Erstmals seit fast 2000 Jahren ist Mossul ohne Christen.ANZEIGEHIER KÖNNEN SIE WERBEN »Die ersten Taufen in der Stadt am Tigris im Norden des Irak fanden bereits zur Zeit der Apostel statt. Nun ist Mossul „christenfrei“, so die verzweifelte Botschaft des mit Rom unierten chaldäischen Patriarchen Louis Raphaël I. Sako vom 19. Juli.Die islamischen Terrormilizen leisten ganze Arbeit: Es sind nicht nur die Christen verschwunden, auch die Kirchen als Zeugnisse der zweitausendjährigen christlichen Geschichte, die weit vor die Entstehung des Islams zurückreicht, drohen zu verschwinden. Die Dschihadisten des Islamischen Staates (IS) machentabula rasa. Sie morden, vergewaltigen und vertreiben – und sie sprengen die nicht-islamischen Kulturzeugnisse in die Luft.Noch für 1650 wird von Reisenden die Mehrheit der Bewohner Mossuls als Christen geschildert. Um 1830 wird eine starke christliche Minderheit von mehr als einem Drittel genannt. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte einen radikalen Einbruch: Vor dem amerikanischen Einmarsch von 2003 war der Anteil auf etwa vier Prozent zusammengeschrumpft. Vor dem Angriff des Islamischen Staates von 2014 lebten nur mehr wenig mehr als 3000 Christen in der Millionenstadt. Ihnen wurde nun der Gnadenstoß versetzt.

 

IS-Ultimatum vom 19. Juli trieb letzte Christen in die Flucht

 

Am 18. Juli setzte der Islamische Staat (IS) den Christen von Mossul ein Ultimatum. Seit dem 10. Juni 2014 befindet sich die Großstadt unter der Kontrolle der Dschihadisten. Nur 200 Christen hatten nach zwei Jahren der islamischen Terrorherrschaft noch in der Stadt ausgeharrt. In den Moscheen der Stadt wurden beim Freitagsgebet Flugblätter verteilt. Darin wurden die Christen zum Verlassen der Stadt aufgefordert und die Folgen angedroht, sollten sie der Aufforderung nicht nachkommen.Maria mit Jesukind in MossulDie Christen hatten sich zuvor an einem bestimmten Ort zu versammeln, wo ihnen offiziell mitgeteilt werden sollte, daß sie sich unter dem „Schutz des Islamischen Staates“ befinden und daher zu „Dhimmis“, zu Bürgern zweiter Klasse werden. Die Christen zogen es aus verständlichen Gründen vor, nicht zu erscheinen. Der Islamische Staat erklärte diesen Ungehorsam zum „definitiven Bruch“. Wenn die Christen den Schutzpakt „ahd al-dhimma“ nicht akzeptieren, bleibe für sie nur das Schwert. Den Christen wurde darauf ein „Gnadenakt“ des Anführers des Islamischen Staates (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, „gewährt“, wie es in der offiziellen Erklärung des IS an die Christen heißt:„Der Fürst der Gläubigen, Kalif Ibrahim – Allah möge ihm Ruhm schenken – gewährt Euch, die Grenzen des Islamischen Staates  bis 10 Uhr des Samstags, dem 21. Tag des Monats Ramadan, zu verlassen. Nach Ablauf dieser Frist gibt es zwischen Euch und uns nur mehr das Schwert.“Die Häuser der Christen in der Stadt waren bereits im Vorfeld durch das Symbol für „Nazarener“ gekennzeichnet worden. Nach Ablauf des Ultimatums wurde der Bischofssitz von den Islamisten in Brand gesteckt.

 

„Sie verfolgen uns im Namen ihrer Religion. Sie drohen nicht nur, sie tun es auch: sie brennen und morden“

 

Mit dem Nazarener-Symbol wurden die Häuser der Christen gekennzeichnetDer Patriarch der mit Rom unierten syrisch-katholischen Kirche, Ignatius Joseph III. Younan, eilte aus Beirut nach Rom, wo er noch am Samstag von „Außenminister“ Dominique Mamberti empfangen wurde. Der Patriarch mußte bestätigen, daß es in Mossul seit Freitag der vergangenen Woche „keine Christen“ mehr gibt. Zuletzt lebte kaum mehr als ein Dutzend christlicher Familien in der Millionenstadt.„Sie mußten gestern flüchten. Es wurde ihnen alles geraubt. Man hat sie unter Beleidigungen bis zum Stadtrand begleitet und dort der Wüste überlassen“, so der Patriarch.Die Lage im Nahen Osten sei „desaströs“ so das Oberhaupt der syrischen Katholiken.„Wir sind ein Teil des Iraks, Syriens und des Libanons. Wir Christen wurden nicht importiert. Wir sind seit Jahrtausenden hier und haben das Recht, wie Menschen und Bürger dieser Länder behandelt zu werden. Sie verfolgen uns im Namen ihrer Religion. Und sie drohen nicht nur, sie tun es auch: sie brennen und morden.“

 

„Das Ende der christlichen Brüder im Nahen Osten ist der Vorgeschmack für das Martyrium des Westens“

 

Ignatius Joseph III. Younan, kein Mann, den leicht etwas aus der Fassung bringt, zeigte sich am vergangenen Samstag fassungslos und sichtlich gezeichnet. Die Fassungslosigkeit betraf das Verhalten des Westens, der sich noch immer nicht der Gefahr bewußt scheint und die Christen im Nahen Osten im Stich läßt. Als die USA mit einer „Koalition der Willigen“ Saddam Hussein stürzten, brauchten sie dazu keine drei Wochen. Die von den USA geführte Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat kämpfe „bald seit zwei Jahren gegen die Terroristen“, ohne daß ein Ende in Sicht sei, wie ein Begleiter des Patriarchen sagte.Mehr noch als dieses militärische Versagen befremdet den Patriarchen die innere Gleichgültigkeit des Westens:„Das Ende der christlichen Brüder im Nahen Osten ist der Vorgeschmack für das Martyrium des Westens.“Text: Giuseppe NardiBild: Asianews/Il Foglio/MiL (Screenshots) Artikel druckenS

Kardinal Schönborn und die ausdrückliche Einladung zum Sakrileg

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Paolo Deptto: Kardinal Schönborns Interpretation von Amoris laetitia zeigt, wie sehr eine bestimmte "Neotheologie" vom Relativismus beherrscht wird.
Paolo Deptto: Kardinal Schönborns Interpretation von Amoris laetitia zeigt, wie sehr eine bestimmte „Neotheologie“ vom Relativismus beherrscht wird.

(Rom) Amoris laetitia erhitzt weiterhin die Gemüter. Der Grund der jüngsten Unruhe ist die Behauptung von Kardinal Christoph Schönborn, das nachsynodale Schreiben Amoris laetitia habe sehr wohl verbindlichen Charakter. Damit widerspricht Wiens Erzbischof jener Kritik an Amoris laetitia, deren Kernaussage in der Feststellung besteht, daß das päpstliche Schreiben nicht Teil des kirchlichen Lehramtes sei, weil Papst Franziskus selbst auf einen solchen Anspruch verzichtet habe.
Kardinal Schönborn wurde von Papst Franziskus zweimal als „authentischer Interpret“ des nachsynodalen Schreibens benannt. Gestärkt durch diese päpstliche Aufwertung meldete sich Wiens Erzbischof nun zu Wort, und schreibtAmoris laetitia lehramtlichen, und damit verbindlichen Charakter zu. Es versteht sich von selbst, daß Kardinal Schönborn unausgesprochen seine vom Papst abgesegnete Interpretation als verbindlich betrachtet. Gegen die „Neotheologie“ der Schönborn-Interpretation meldete sich nun Polo Deotto, der Chefredakteur von Riscossa Cristiana zu Wort. Es sei zu gutgläubig gewesen, zu meinen, es genüge, Amoris laetitia für nicht verbindlich zu erklären, und man sei mit einem Schrecken davongekommen und könne irgendwie doch wieder zur Tagesordnung übergehen. Die neue Wortmeldung von Kardinal Schönborn zeige, daß eine „Neotheologie“ am Werk sei, die es ernst meine. Das sei auch ernst zu nehmen, sehr ernst.

Kardinal Schönborn und die ausdrückliche Einladung zum Sakrileg

von Paolo Deotto

Der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, von Pater Antonio Spadaro für die römische Jesuitenzeitschrift La Civiltà Cattolica interviewt, raubt den frommen Seelen jede Illusion: Amoris laetitiae ist Teil des Lehramtes, und wie! In „gewissen Situationen“ kann auch die Sakramente empfangen, wer sich objektiv im Stand der Sünde befindet, so Schönborn. Das aber nennt man, ob das einigen paßt oder nicht, eine Einladung zum Sakrileg.

Das „listige“ Argument, mit dem „fromme Seelen“ (nennen wir sie aus Rücksicht so) bisher die unglaublichen Aussagen gerechtfertigt haben, die im nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia enthalten sind, lautete so: Amoris laetitia ist nicht Teil des Lehramtes, sondern die „Meinung“ des Papstes über die Familie. Diese groteske Behauptung ist natürlich in jeder Hinsicht widersprüchlich, weil es wenig glaubwürdig und mit Blick auf die Kirchengeschichte unhaltbar ist, daß ein Papst zu Fragen von Glauben und Doktrin öffentlich bloß persönliche „Meinungen“zum Besten geben könnte. Wir hätten den geradezu einzigartigen Fall eines Papstes, der in einigen Fällen ein Dr. Jekyll und in anderen Fällen ein Mister Hyde sein könnte. Wenn er als Mister Hyde im freien Ausgang ist, kann er in aller Ruhe häretische Aussagen von sich geben?

Die erwähnten „frommen Seelen“ sind im übrigen zu bemitleiden. Einige handeln aus falschverstandenem Pflichtgefühl („Der Chef hat immer recht“), andere aus Servilität, wieder andere aus Mangel an eigenem Denken, alle müssen jedenfalls Kopfstände machen, um die Quadratur des Kreises zu schaffen.

Der Corriere della Sera veröffentlichte einen Auszug aus dem Interview, das Pater Spadaro mit Kardinal Schönborn führte. Es ist daran zu erinnern, daß der Papst den Wiener Erzbischof de facto zum authentischen Interpreten von Amoris laetitia ernannt hat. Schönborn raubt im Interview sofort jede Illusion. Die kopfstehenden „frommen Seelen“ stürzen mit ihren akrobatischen Übungen mit lautem Getöse zu Boden.

“Es ist offensichtlich, daß es sich um einen Akt des Lehramtes handelt! Es ist eine Apostolische Exhortation. Es ist klar, daß der Papst hier seine Rolle als Hirte, Lehrmeister und Doktor des Glaubens ausübt, nachdem er die Beratung der beiden Synoden genossen hat. Ich denke, daß man ohne jeden Zweifel von einem päpstlichen Dokument von großer Qualität sprechen muß, von einer authentischen Lektion insacra doctrina, die uns zur Aktualität des Gotteswortes zurückführt. Amoris laetitia ist ein Akt des Lehramtes, das die Lehre der Kirche in der Gegenwart aktuell macht.“

Schönborn-Aussage zeigt, wie sehr der Relativismus die „Neotheologie“ beherrscht

Ich erhebe nicht den Anspruch, an dieser Stelle das Interview einer gründlichen Analyse zu unterziehen. Mir scheint es aber sinnvoll, einige Worte näher zu betrachten, weil die mit schamloser Klarheit zeigen, wie sehr der Relativismus eine bestimmte „Theologie“ beherrscht.

Lesen wir also zunächst aufmerksam folgende Stelle des Interviews:

Pater Antonio Spadaro: Der Papst behauptet, daß es „in bestimmten Fällen“, wenn man sich im objektiven Zustand der Sünde befindet – aber ohne subjektiv schuldig zu sein oder ohne es vollständig zu sein – , möglich ist, in der Gnade Gottes zu leben. Ist das ein Bruch mit dem, was in der Vergangenheit gesagt wurde?

Kardinal Christoph Schönborn: Der Papst lädt uns ein nicht nur auf die äußeren Bedingungen zu schauen, die ihre Wichtigkeit haben, sondern uns zu fragen, ob wir Durst nach der barmherzigen Vergebung haben mit dem Zweck, besser auf die heiligmachende Dynamik der Gnade antworten zu können. Den Übergang von der allgemeinen Regel zu den „bestimmten Fällen“ kann man nicht nur durch Berücksichtigung formaler Situationen machen. Es ist daher möglich, daß in bestimmten Fällen jener, der sich in einer objektiven Situation der Sünde befindet, die Hilfe der Sakramente empfangen kann.

Neue Kategorien: objektiv schuldig, aber „subjektiv nicht schuldig“ oder „nicht ganz schuldig“

Damit werden offiziell neue Kategorien eingeführt: die „objektive Situation der Sünde“, in der man aber „subjektiv nicht schuldig“ oder zumindest „nicht vollständig“ schuldig sein kann. Auf das sicher nicht zufällige Chaos der Frage folgt ein ebenso sicher nicht zufälliges Chaos der Antwort.

Schönborn Amoris laetitia verbindlich
Schönborn: „Amoris laetitia ist verbindlich“

Wir erfahren vom Wiener Erzbischof die verblüffende Erkenntnis, daß man in der Sünde sein kann, es aber doch nicht ist, oder daß man in der Sünde sein kann, es aber doch nicht ganz ist. Der Grund liegt in einer kuriosen Unterscheidung zwischen einer „objektiven“ und einer „subjektiven“ Situation der Sünde.

Und was muß jemand machen, der schuldig ist, „ohne es vollständig zu sein“? Muß er nur prozentuell bereuen?

Jedenfalls, so Schönborn in „authentischer“ Auslegung des Papstes, kann in „bestimmten Fällen“ (in welchen weiß man nicht!), wer sich in einem objektiven Zustand der Sünde befindet (ohne nähere Angaben, ob er nun subjektiv schuldig oder nur teilweise schuldig ist), die „Hilfe der Sakramente“ empfangen.

Ist aber nicht die Absolution in der Beichte die einzige „Hilfe“, die der Sünder empfangen kann? Die Beichte aber setzt eine ehrliche Reue und den festen Vorsatz voraus, nicht mehr zu sündigen, und daher schon gar nicht in der Sünde zu verharren.

Nein, Kardinal Schönborn spricht nicht im Singular, sondern im Plural von “Sakramenten”. Und da man lange genug über die Zulassung der wiederverheiratet Geschiedenen zur Kommunion geschwatzt, pardon, diskutiert hat, entdecken wir, daß praktisch alle die Kommunion empfangen dürfen: das anscheinende Chaos „objektiver“, „subjektiver“, „nicht vollständig objektiver“ Situationen schließt letztlich alles und alle mit ein. Die allgemein gehaltene Formulierung „in bestimmten Fällen“ läßt die Tür zu den verschiedensten Interpretationen offen.

Das ewige Heil scheint kein vordringliches Interesse der „Neotheologie“

Was aber bleibt, ist das unanfechtbare Wort des Neuen Testaments:

„Wer unwürdig das Brot ißt und den Becher des Herrn trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht.“

Dieses biblische Wort scheint aber nicht mehr zu besorgen. Offensichtlich gehört das ewige Heil nicht mehr zu den vordringlichen Interessen dieser ungewöhnlichen Neotheologie, die sich in einem neuen „Lehramt“ ausdrückt. Fest steht, daß die zitierten Aussagen ergo omnes ein Passierschein für das Sakrileg sind.

Abschließend beschränke ich mich daher darauf, nur eine Sache zu unterstreichen: Dieses Durcheinander stammt nicht von irgendeinem Spaßvogel, der sich in irgendwelchen paratheologischen Absonderlichkeiten ergeht. Es stammt von Kardinal Christoph Schönborn, dem Erzbischof von Wien und Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, den Franziskus als „authentischen“ Interpreten von Amoris laetitia benannt hat.

Es ist alles so schrecklich klar. Gott stehe uns bei.

Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va/OR/Erzdiözese Wien (Screenshot)

Masterplan zur Zerstörung der katholischen Kirche

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Masterplan zur Zerstörung der katholischen Kirche
Dieser Plan wurde bei einem spanischen Arzt in New York im Wartezimmer vergessen.

In dem Buch Aa-1025 The Memoirs Of An Anti-Apostle ist Ähnliches beschrieben.

 

Gründung einer universellen ökumenischen Kirche

Der Masterplan beginnt damit, dass sich alle christlichen „Kirchen“ auf die katholische Kirche als Fundament stützen und sobald diese ins Wanken gerät, das gesamte Christentum in sich zusammenfällt. Zunächst muss man ihr den Namen „heilig“ nehmen, der ständig auf Gott hinweist, denn das ist überflüssig. Dazu muss man nur darauf hinweisen, dass eine „heilige Kirche“ die protestantischen Brüder beleidigt.

Zudem muss man den Namen „katholisch“ streichen, denn im Jahr 1980 soll niemand mehr „eine, heilige, katholische Kirche“ sagen, das würde viel zu sehr auf die Anbetung Gottes und Jesu Christi und auf die Verehrung der allerseligsten Jungfrau hinweisen. Deswegen muss man „katholisch“ mit „universell“ ersetzen, das ist eigentlich dasselbe, nur ist jede Erinnerung an das Heilige und die Anbetung Gottes und Jesu Christi entfallen.

In der „universellen Kirche“, die auch Moslems, Juden und Hindus umfassen soll, gibt es nur ein einziges Gebot: „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“.

Laut dem Masterplan muss man alles im Namen der „Nächstenliebe“ und der „Liebe“ tun. Dennoch ist auch das Wort „Nächstenliebe“ überflüssig, denn es weist auch auf die Liebe zu Gott hin. „Liebe“ ist viel moderner und verständlicher und deswegen lässt sich „Nächstenliebe“ leicht ersetzen, da sie beide an sich dasselbe aussagen.

Der Plan ist sehr anziehend, da er im Namen einer großen Sache, der „Liebe“ durchgeführt werden soll. Deswegen ist es leicht, mit dem Thema „Liebe“ auch gute Katholiken, Priester und Bischöfe mit ins Schiff zu holen und sie zu Komplizen zu machen, um die Liebe zu Gott in den Menschen auszulöschen.

Der Masterplan erkennt gut, dass am Ende niemand mehr seinen Nächsten lieben wird, da die Grundlage, die Liebe zu Gott, nicht mehr existiert.

Zudem soll Gott als ein vollkommen gutmütiger Gott dargestellt werden, der nie strafen kann. Einen solchen Gott vergisst man leicht. Das ist das endgültige Ziel des Plans.

Auch sollen „Unwichtigkeiten“ entfernt werden, um sich den Nicht-Katholiken annähern zu können, „Unwichtigkeiten“, die diese hindern könnten, zur Kirche zu finden, „Unwichtigkeiten“, die Nicht-Katholiken verletzen.

 

Angriff auf die heilige Messe und die heilige Eucharistie

Der Masterplan erkennt, dass die Eucharistie das Zentrum der katholischen Kirche ist, da es sich hier um Christus selbst unter der Gestalt des Brotes handelt und die heilige Messe die unblutige Erneuerung des heiligen Kreuzesopfers ist.

Man kann die Messe nicht sofort abschaffen, dagegen würden sich die Katholiken stellen, deswegen soll sie als „Gemeinschaftsmahl“, und nur als solches, dargestellt werden.

Zunächst sollen Tische in der Kirche aufgestellt werden, und alle Christen sollen sich zum Essen zusammenfinden, wie es damals Christus und die Apostel getan haben. Der Priester setzt sich dazu, wie ein anderer „Bruder“. Alles soll auf ein brüderliches Zusammenkommen ausgerichtet sein, nicht aber auf die Anbetung Gottes, nicht auf die Danksagung an Gott. Es wird ein „Gemeinschaftsmahl“ gefeiert, das heilige Kreuzesopfer Christi aber wird vergessen. Normales Brot soll verwendet werden, dessen Reste man später wegwirft.

Um weiter das „Gemeinschaftsmahl“ zu betonen, bei dem die Brüder zusammenkommen, um sich zu lieben, muss der Priester die Leute anschauen. Es darf nicht sein, dass er ihnen seinen Rücken zuwendet. So wird laut dem Masterplan etwas sehr wichtiges erreicht: Gott ist nicht mehr Mittelpunkt der Messe, sondern der Mensch.

Die Erinnerung an das Kreuzesopfer soll auch durch viel Gesang, viele Predigten, durch die Begrüßung der Brüder und die Entschuldigung bei diesen verdrängt werden.

Laut dem Masterplan gibt es unzählige Details der Messe, die „unwichtig“ erscheinen, aber durch deren Entfernung lässt sich nach und nach das Heilige der Messe zerstören. Besonders soll die Volkssprache eingeführt werden, damit man sich beim Mahl besser versteht. So wird der Messe das Mysterium genommen.

Auch muss das Kruzifix vom Altar, denn wenn der Priester das Volk ansieht, ist das Kruzifix auf ihn gerichtet, wendet aber den Rücken zum Volk. Deswegen muss das Kruzifix auch weg. Ebenfalls hatten die Altäre immer Reliquien, aber jetzt muss ein normaler Esstisch aus Holz her, denn es handelt sich um ein Mahl.

Die Kommunion soll stehend mit der Hand empfangen werden, es handelt sich ja um ein Mahl, und man soll auf natürliche Weise essen. Nur Kindern steckt man das Essen in den Mund. (siehe dazu die Links unten)  Und es muss ganz normales Brot verwendet werden, nichts, was irgendetwas Heiliges, Mysteriöses an sich hat, sondern solches, das man isst, das man kaut. Wie beim letzten Abendmahl. So entschwindet der heilige, mysteriöse, göttliche Charakter der Kommunion.

Weiter soll das Allerheiligste nicht mehr im Zentrum der Kirchen sein, denn wenn der Priester bei der Messe sich dem Volk zuwendet, wendet er dem Allerheiligsten den Rücken zu. Deswegen soll es auf die Seite geschafft werden.

Auch soll die Aussetzung und Anbetung des Allerheiligsten abgeschafft werden, denn es handelt sich hierbei nicht um ein brüderliches Mahl. Stattdessen sollen Messen in Privathäusern gelesen werden.

Bei der Handhabung der Hostien soll keine Patene mehr verwendet werden, denn wenn ein Stück herunterfällt, soll man erklären, dass es nicht so schlimm ist.

Die Messe soll so weit wie möglich dem Gottesdienst der Protestanten ähneln, damit die „protestantischen“ Brüder leichter von der katholischen Kirche angezogen werden.

 

Angriff auf das Priestertum und das Ordensleben

Zunächst möchte der Masterplan, dass die Priester und Ordensleute ihre geistlichen Gewänder ablegen. Laut Masterplan scheint es unwichtig, aber diese äußerlichen Zeichen geben Zeugnis von einem Leben, das immer in der Gegenwart Christi, Gottes, und der allerseligsten Jungfrau abläuft. Das Habit ist das stille Zeugnis im 20. Jahrhundert, dass Gott und Christus existieren, dass es tausende Menschen gibt, die bereit sind, das eine Leben, das sie haben, aus Liebe zu Christus zu geben.

Mit Stolz sagt der Masterplan, dass das 2. Vatikanum ihm bei diesem Ziel geholfen hat. Zunächst war der Plan, zu sagen, dass das Ordenshabit altmodisch ist, und anschließend, dass in Laienkleidung die Priester und Schwestern leichter Zugang zu nichtkatholischen Kreisen finden und die Barrieren gegenüber den protestantischen „Brüdern“ abgebaut würden.

Das letztendliche Ziel ist es, zu erreichen, dass die Ordensleute und Priester aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden, als ob sie gar nicht existierten. Wenn die jungen Leute keine Priester und Nonnen sehen, werden sie nichts von ihrer Existenz wissen und auch nicht überlegen, Priester und Nonnen zu werden.

Zusätzlich wird gefordert, dass Priester heiraten sollen, denn so denkt niemand mehr darüber nach, dass ein Mann sein Leben ganz für Christus geopfert hat.

Die Schwestern sollen die Klöster verlassen, um sich um die „Brüder“ auf der Straße zu kümmern. Eine Karmelitin kann auch viel Gutes tun, in dem sie Kinder unterrichtet oder Kranke pflegt etc.

Wer wird sich nicht erweichen lassen durch den Aufruf zur Nächstenliebe, dass es Christus ist, der weint und leidet, wenn der Bruder weint und leidet. Wenn sie sich dazu wie ein Laie anzieht, wird sie bald meinen, dass man den Bruder besser lieben kann, wenn man gar keine Ordensschwester ist.

Die Abschaffung des Pflichtzölibats wird ebenfalls vom Masterplan erwähnt. Wenn Priester heiraten, ist es, als gäbe es keine Priester. Das Bild eines Mannes, der sein Leben nur Christus gibt, hört auf, zu existieren.

 

Entthronung der Allerseligsten Jungfrau

Laut Masterplan ist die Entthronung der allerseligsten Jungfrau ein wichtiger Zug zur Zerstörung der Kirche. Vor allem soll überall von den „Brüdern“ von Jesus geredet werden und davon, dass die Jungfrau noch weitere Kinder hatte. So kann man ihr auch den Titel „Jungfrau“ nehmen. Das wird vor allem bei den einfachen Leuten, die keine Bildung haben, leicht funktionieren.

Weiter sollen keine Rosenkränze mehr gebetet werden, weil dies die protestantischen „Brüder“ beleidigt. Und Novenen sollen als Sache von „Betschwestern“ dargestellt werden.

Es werden auch bereits Bibelversionen veröffentlicht, bei denen das erste Kapitel des Lukasevangeliums verändert wird. So erhielt 1970 beispielsweise eine Bibel, die den Teil des englischen Grußes „voll der Gnade“ nicht enthält, das „Nihil Obstat“ von Patrick Kardinal O’Boyle, Erzbischof von Washington.

 

Zerstörung der traditionellen Andachten in der Kirche

Ein Teil des Masterplans, der darauf abzielt, den Menschen die äußerlichen Andachtsformen zu nehmen, weil sie „unwichtig“ sind und die protestantischen „Brüder“ beleidigen, sieht auch vor, den Gebrauch von Skapulieren, Rosenkranz abzuschaffen. Auch sollen die Gläubigen keinen Nutzen aus der Anrufung der Heiligen mehr ziehen.

Hierauf legt der Masterplan besonderen Wert, da durch diese äußeren Dinge, die „unwichtig“ scheinen, den Menschen Gott, Christus und die allerseligsten Jungfrau immer präsent sind.

Besonders leicht ist es, den Menschen zu sagen, dass sie keine Skapuliere und Medaillen mehr tragen sollen, das sei für Betschwestern, es sind „unwichtige“ Äußerlichkeiten, die unsere protestantischen „Brüder“ beleidigen. Wenn man diese Dinge gar nicht benutzt, haben es unsere protestantischen „Brüder“ leichter, zur Kirche zu finden.

Auch soll darauf hingewiesen werden, dass man nur Gott anbetet, nicht aber die allerseligste Jungfrau und die Heiligen. Der Masterplan gibt zu, dass die gebildeten Katholiken natürlich wissen, dass die katholische Kirche lehrt, dass nur Gott angebetet werden darf und dass die Heiligen als Freunde Gottes nur verehrt, nicht aber angebetet werden. Es wird aber ein leichtes sein, den einfachen Leuten einzureden, dass die Katholiken die Heiligen anbeten, da deren Reliquien ja im Altar sind etc.

 

Wer führt den Masterplan aus

Um diesen teuflischen Plan auszuführen, für den, wie es heißt, viel Geduld und Beharrlichkeit erfordert wird, muss man sich der Bischöfe, Priester und guten Katholiken bedienen, die sich vom Slogan der „Nächstenliebe“ betrügen lassen.

Diese sollen durch Halbwahrheiten dazu verführt werden, die Ziele des Masterplans durchzuführen.

 

Zum Punkt „Handkommunion“:

in diesem Video https://www.youtube.com/watch?v=5FKqYKowoSI (ab Min. 3:20): progressive Priester wollten keine „Babyspeisung (d.i. Austeilung der Mundkommunion) mehr beibehalten“ und Die  Geschichte der Einführung der Handkommunion http://kath-zdw.ch/maria/die.sogenannte.handkomunion.html

 

(…) Im Jahre 1864 wird Luzifer mit einer großen Menge von Teufeln aus der Hölle losgelassen. Sie werden den Glauben allmählich auslöschen, selbst in Menschen, die Gott geweiht sind. Sie werden sie in einer Weise blind machen, daß diese Menschen, falls sie nicht eine besondere Gnade empfangen, den Geist dieser bösen Engel annehmen werden. Viele Ordenshäuser werden den Glauben völlig verlieren und viele Seelen mit ins Verderben ziehen.

Schlechte Bücher wird es auf der Erde im Überfluß geben, und die Geister der Finsternis werden überall eine Kälte gegen alles ausbreiten, was den Dienst Gottes betrifft. Sie werden eine sehr große Macht über die Natur haben. Es wird Kirchen geben, in denen man diesen bösen Geistern dient (Satanskirchen).

Manche Personen werden von diesen bösen Geistern von einem Ort zum anderen versetzt, und sogar Priester, weil diese sich nicht vom guten Geiste leiten lassen, der ein Geist der Demut, der Liebe und des Eifers für die Ehre Gottes ist. Man wird Tote und selbst Gerechte auferstehen lassen (im Spiritismus! d. h., diese Toten werden die Gestalt der gerechten Seelen annehmen, die auf Erden gelebt haben, um die Menschen besser verführen zu können. Diese sogenannten Toten, unter deren Gestalten sich nur Teufel verbergen, werden ein anderes Evangelium predigen, das dem des wahren Jesus Christus entgegengesetzt ist, das das Dasein des Himmels sowie die verdammten Seelen leugnet. Alle diese Seelen werden wie mit ihren Leibern vereinigt erscheinen. Zusatz von Mélanie selbst.) Überall werden außergewöhnliche Wundertaten vorkommen, da der Glaube erloschen ist und das falsche Licht die Welt erleuchtet.

Aus: Die Große (ungekürzte) Botschaft von La Salette – Hier klicken!!!

 

Vision von Papst Leo XIII.

Genau 33 Jahre, auf den Tag genau vor dem Sonnenwunder in Fatima, das heißt, am 13. Oktober 1884, hatte Papst Leo XIII. eine bemerkenswerte Vision, während er eine Messe zelebrierte. Er stand für ca. 10 Minuten wie in Trance da, sein Gesicht wurde fahl und grau. Danach ging er in sein Arbeitszimmer und verfasste ein Gebet zum Hl. Erzengel Michael.

„Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe. Gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei du unser Schutz. Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich. Und du, Fürst der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchstreifen, mit der Kraft Gottes hinab in den Abgrund der Hölle. Amen.“

Auf die Frage, was denn geschehen war, erklärte er, dass er zwei Stimmen gehört habe, die aus der Richtung vom Tabernakel kamen.

Die eine Stimme war sanft und die andere war rau und hart. Er hörte folgendes Gespräch:

Die Stimme Satans prahlte mit seinem Stolz zu unserem Herrn:

„Ich kann Deine Kirche zerstören.“

Die sanfte Stimme des Herrn:

„Du kannst? Dann gehe und tue es.“

Satan: „Um das zu tun, brauche ich mehr Zeit und Macht.“

Unser Herr: „Wieviel Zeit? Wieviel Macht?“

Satan: „75-100 Jahre, und mehr Macht über diejenigen, die sich meinem Dienst unterwerfen.“

Unser Herr: „Du bekommst diese Zeit, und diese Macht.“

 

Dies geschah im Jahre 1884.

Der Teufel sagte, er brauche 75-100 Jahre. Nun, 75 Jahre von dem Jahre 1884 ausgehend, wäre folglich das Jahr 1959. Wow, was für ein Zufall.

Am 25. Januar 1959 gab Papst Johannes XXIII. vor 17 Kardinälen im Kapitelsaal der Patriarchalbasilika St. Paul vor den Mauern völlig überraschend bekannt, dass er ein Konzil für die Weltkirche einzuberufen beabsichtige, dessen Ziel die „Erneuerung“, „größere Klarheit im Denken“ und „Stärkung des Bandes der Einheit“ sein solle.

Denken Sie an das Gebet zum Hl. Erzengel Michael, das Papst Leo XIII. sofort nach seiner Vision verfasste und das nach jeder Messe gebetet werden musste.

Eine der ersten Änderungen aus dem Vatikanischen Konzil war die Streichung des Gebetes zum Hl. Erzengel Michael im Jahr 1964. Es war das 80. Jahr des Teufels.

 

Siehe auch:

Die Kirche ist nicht grenzenlos belastbar“ – Robert Spaemann noch einmal zu „Amoris laetitia“

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Robert Spaemann: Nachtrag zu "Amoris laetita"-Debatte
Robert Spaemann: Nachtrag zur „Amoris laetita“-Debatte

(Berlin/Rom) Der bekannte katholische deutsche Philosoph Robert Spaemann verfaßte einen Nachtrag zur Debatte um das umstrittene nachsynodale Schreiben Amoris laetitia, die auch durch seine Stellungnahme in einemInterview mit Catholic News Agency (CNA) angefacht worden war. Der „Nachtrag“ wurde in der Tageszeitung Die Tagespost veröffentlicht.

Meine kritischen Bemerkungen im Gespräch mit der Catholic News Agency (CNA) zur päpstlichen Exhortation Amoris laetitia haben lebhafte Reaktionen hervorgerufen, teils enthusiastische Zustimmung, teils Ablehnung. Die Ablehnung bezieht sich in erster Linie auf den Satz, die Anmerkung 351 stelle einen „Bruch mit der Lehrtradition der katholischen Kirche“ dar. Was ich sagen wollte, war, dass einige Äußerungen des Heiligen Vaters in eindeutigem Widerspruch stehen zu Worten Jesu, zu Worten der Apostel sowie zu der traditionellen Lehre der Kirche.

Von einem Bruch sprechen sollte man allerdings nur dann, wenn ein Papst unter förmlicher Berufung auf seine apostolische Vollmacht eindeutig und ausdrücklich – also nicht beiläufig in einer Fußnote – etwas lehrt, was im Widerspruch zur genannten Lehrtradition steht. Der Fall ist hier nicht gegeben – schon deshalb nicht, weil Papst Franziskus Eindeutigkeit nicht liebt. Wenn er unlängst erklärte, das Christentum kenne kein „Entweder-Oder“, stört es ihn offenbar nicht, dass Christus sagt: „Eure Rede sei ja – ja, nein – nein. Alles darüber hinaus ist von Übel.“ (Mt 5, 37) Vom Entweder-Oder sind die Briefe des Apostels Paulus voll. Und schließlich: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.“ (Mt 12, 30)

Papst Franziskus aber will nur „Vorschläge machen“. Vorschlägen zu widersprechen kann nicht unerlaubt sein. Und widersprechen muss man ihm meines Erachtens energisch, wenn er in Amoris laetitia behauptet, auch Jesus habe nur „ein anspruchsvolles Ideal vorgeschlagen“. Nein, Jesus hat geboten, „wie einer, der Macht hat und nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer“ (Mt 7, 29). Er selbst verweist unter anderem im Gespräch mit dem reichen Jüngling auf die innere Einheit der Nachfolge mit der Einhaltung der Zehn Gebote (Lk 18, 18–23). Jesus predigt kein Ideal, sondern stiftet eine neue Realität, das Reich Gottes auf Erden. Jesus schlägt nicht vor, er lädt ein und gebietet: „Ein neues Gebot gebe ich euch.“ Diese neue Realität und dieses Gebot stehen in enger Beziehung zu der mit den Mitteln der Vernunft erkennbaren Natur des Menschen.

Wenn das, was der Heilige Vater äußert, so wenig zu dem passt, was ich in der Schrift lese und was mir aus den Evangelien entgegenkommt, dann ist das also kein ausreichender Grund, von einem „Bruch“ zu sprechen, und es ist erst recht kein Grund, den Papst, wie es leider Alexander Kissler tut, zum Gegenstand von Polemik und Spott zu machen. Als der heilige Paulus vor dem Hohen Rat stand, um sich zu verteidigen, und der Hohepriester aufforderte, ihn ins Gesicht zu schlagen, reagierte Paulus mit den Worten: „Gott wird dich schlagen, du übertünchte Wand.“ Aufmerksam gemacht darauf, dass es sich um den Hohenpriester handelte, sagte Paulus: „Brüder, ich wusste nicht, dass es der Hohepriester ist. Es steht ja geschrieben: ,Du sollst den Oberen deines Volkes nicht schmähen.‘“ (Apg. 23; 3, 5) Kissler hätte sich, als er über den Papst schrieb, im Ton mäßigen sollen, auch wenn der Inhalt seiner Kritik zum größten Teil berechtigt ist. Durch die geistreiche Polemik wird er in seiner Wirkung eher beeinträchtigt.

Der Papst hat sich beklagt, dass man, angestachelt durch die Medien, seinen zahlreichen Erörterungen zur alarmierenden Lage der Familie mehr oder weniger aus dem Wege geht, um sich an einer Fußnote zum Thema Kommunionempfang festzubeißen. Aber die vorsynodale öffentliche Debatte drehte sich nun einmal um dieses Thema, denn hier gibt es tatsächlich nur ein Ja oder Nein. Die Debatte wird nun fortgesetzt, und zwar ebenso kontrovers wie vorher, weil sich der Papst weigert, die diesbezüglich klaren Äußerungen seiner Vorgänger zu zitieren, und weil seine Antwort offenkundig so mehrdeutig ist, dass jeder sie zugunsten der eigenen Meinung interpretieren kann und interpretiert. „Wenn die Trompete einen unklaren Ton von sich gibt, wer wird dann zum Kampf aufbrechen?“ (1 Kor 14, 8) Wenn sich inzwischen der Präfekt der Glaubenskongregation gezwungen sieht, einen der engsten bischöflichen Berater und Ghostwriter des Papstes öffentlich der Häresie zu bezichtigen, sind die Dinge eigentlich schon zu weit gekommen. Auch die römisch-katholische Kirche ist nicht grenzenlos belastbar.

Papst Franziskus liebt es, die Kritiker seiner Politik zu vergleichen mit denen, die „sich auf den Stuhl des Moses gesetzt haben“. Aber auch hier geht der Schuss nach hinten los. Es waren ja die Gesetzeslehrer, die die Ehescheidung verteidigten und ein Reglement für sie tradierten. Die Jünger Jesu waren dann schließlich auch entsetzt über das strikte Scheidungsverbot des Meisters: „Wer mag dann noch heiraten?“ (Mt 19, 10) So wie die Leute, die wegliefen bei der Ankündigung des Herrn, sich zur Speise zu machen: „Diese Rede ist hart. Wer mag sie hören?“ (Joh 6, 60) Den Herrn „erbarmte des Volkes“. Aber er war kein Populist. „Wollt auch ihr gehen?“ (Joh 6, 67) Diese Frage an die Apostel war seine einzige Reaktion auf den Anhängerschwund.

Klärungsbedarf. Amoris Laetitia

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Amoris laetitia

Klärungbedarf zur Vermeidung einer allgemeinen Verwirrung

S. E. Msgr. Athanasius Schneider, 
Weihbischof im Erzbistum 
der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana 
in Kasachstan

 

Inhalt

Das Paradox der widersprüchlichen Interpretationen von ,Amoris latitia“

Einige Aussagen von AL eignen sich objektiv für Missinterpretationen

Die Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Heiligen Kommunion und ihre Folgen

Gefahren einer Kollaboration der Kirche in der Verbreitung der „Scheidungsplage“

Die freimachende Wahrheit der Buße und des Kreuzesgeheimnisses

Notwendigkeit einer„Veritatis latitia -Freude der Wahrheit“

Die Gefahr einer allgemeinen Verwirrung bezüglich der Unauflöslichkeit der Ehe

 

Das Paradox der widersprüchlichen Interpretationen von „Amoris laetitia“

Das kürzlich veröffentlichte Apostolische Schreiben „Amoris lastitia“ (AL), das einen großen spirituellen und pastoralen Reichtum für das Leben in der Ehe und in der christlichen Familie unserer Epoche enthält, hat bereits innerhalb kurzer Zeit sogar im Bereich des Episkopats widersprüchliche Interpretationen hervorgebracht.

Es gibt Bischöfe und Priester, die öffentlich und offen erklärten, dass AL eine sehr klare Zulassung zur Heiligen Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene geliefert habe, ohne von diesen ein Leben in Enthaltsamkeit zu verlangen. Unter diesem Aspekt der sakramentalen Praxis, die sich laut deren Meinung nun auf bedeutsame Weise geändert habe, stehe der wirklich revolutionäre Charakter von AL. Der Vorsitzende einer Bischofskonferenz interpretierte AL mit Blick auf die irregulären Paare und erklärte auf der Internetseite dieser Bischofskonferenz: „Es handelt sich um eine Maßnahme der Barmherzigkeit, um eine Öffnung von Herz, Verstand und Geist, für die es weder ein Gesetz braucht noch irgendeine Direktive oder Richtlinien. Man kann und soll sie sofort in die Praxis umsetzen.“

Diese Ansicht wurde zusätzlich durch die jüngsten Erklärungen von Pater Antonio Spadaro SJ bestätigt, der nach der Bischofssynode von 2015 geschrieben hatte, dass die Synode die „Grundlage“ für den Zugang der wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion geschaffen habe, indem sie „eine Tür öffnete“, die bei der vorherigen Synode von 2014 noch verschlossen geblieben war. Nun, sagt Pater Spadaro in seinem Kommentar zu AL, sei seine Ansicht bestätigt worden. Man sagt, dass Pater Spadaro selbst der redaktionellen Gruppe von AL angehört habe.

Den Weg für die missbräuchlichen Interpretationen scheint sogar Kardinal Christoph Schönborn geebnet zu haben, der während der offiziellen Vorstellung von AL in Rom im Zusammenhang mit den irregulären Verbindungen gesagt hat: „Meine große Freude an diesem Dokument ist, dass es konsequent die künstliche, äußerliche, fein säuberliche Trennung von „regulär“ und „irregulär“ überwindet.“ Eine solche Äußerung vermittelt den Eindruck, dass es keinen klaren Unterschied zwischen einer gültigen und sakramentalen Ehe und einer irregulären Verbindung gebe.

Auf der anderen Seite gibt es Bischöfe, die behaupten, dass AL im Licht des immerwährenden Lehramtes der Kirche gelesen werden müsse und dass AL nicht die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen erlaube, auch nicht im Ausnahmefall. Grundsätzlich ist diese Feststellung richtig und wünschenswert. In der Tat sollte jeder Text des Lehramtes generell in seinem Inhalt mit dem vorherigen Lehramt bruchlos übereinstimmen. Dennoch ist es kein Geheimnis, dass an verschiedenen Orten die geschiedenen und wiederverheirateten Personen zur Heiligen Kommunion zugelassen sind, ohne dass sie enthaltsam leben. Einige Aussagen von AL können realistischerweise dazu herangezogen werden, diesen bereits seit einiger Zeit an verschiedenen Orten des kirchlichen Lebens praktizierten Missbrauch zu rechtfertigen.

 

Einige Aussagen von AL eignen sich objektiv für Missinterpretationen

Der Heilige Vater, Papst Franziskus, hat uns alle eingeladen, einen Beitrag zum Nachdenken und zum Dialog über die heiklen, die Ehe und die Familie betreffenden Fragen zu leisten. „Die Reflexion der Hirten und Theologen wird uns, wenn sie kirchentreu, ehrlich, realistisch und kreativ ist, zu größerer Klarheit verhelfen“ (AL, 2).

Analysiert man mit intellektueller Redlichkeit einige Aussagen von AL in ihrem Kontext, stellt man die Schwierigkeit fest, sie gemäß der überlieferten Lehre der Kirche zu interpretieren. Dieser Umstand erklärt sich durch das Fehlen der konkreten und ausdrücklichen Affirmation der beständigen, auf dem Wort Gottes beruhenden und von Papst Johannes Paul IL bekräftigten Lehre und Praxis der Kirche. Johannes Paul II. sagt in Familiaris Consortio: „Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden; denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung. Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, dass, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind.“ (Familiaris Consortio, 84)

Papst Franziskus hat „keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art“ (AL, 300) festgelegt. Er erklärt allerdings, „dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen (AL, 300)“ und in der dazugehörigen Fußnote 336: „Auch nicht auf dem Gebiet der Sakramentenordnung, da die Unterscheidung erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt.“ Mit offensichtlichem Bezug auf die wiederverheirateten Geschiedenen sagt der Papst in AL, 305: „Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt.“ In der Fußnote 351 erklärt der Papst seine Feststellung mit den Worten: „In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein.“

Im selben achten Kapitel von AL (Nr. 298) spricht der Papst von den „Geschiedenen in einer neuen Verbindung, […] mit neuen Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem Engagement, mit dem Bewusst sein der Irregularität der eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen, ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt. Die Kirche weiß um Situationen, in denen ,die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können‘.“ In der Fußnote 329 zitiert der Papst das Dokument Gaudium et spes leider auf eine nicht korrekte Weise, weil das Konzil sich in diesem Fall allein auf die gültige christliche Ehe bezieht. Die Anwendung dieser Aussage auf die Geschiedenen kann den Eindruck erwecken, dass eine Verbindung von Geschiedenen einer gültigen Ehe, wenn nicht in der Theorie, so doch in der Praxis gleichgestellt wird.

 

Die Zulassung der wieder verheirateten Geschiedenen zur Heiligen Kommunion und ihre Folgen

Amoris lastitia fehlt es leider an den wörtlichen Wiedergaben der Grundsätze der Morallehre der Kirche in der Form, wie sie in Nr. 84 des Apostolischen Schreibens Familiaris Consortio und der Enzyklika Veritatis Splendor von Papst Johannes Paul IL verlautbart sind, besonders zu folgen den Themen von größter Wichtigkeit: „Grundoption“ (Veritatis splendor, 67-68), „Todsünde und lässliche Sünde“ (ebd. 69-70), „Proportionalismus“, „Konsequentialismus“ (ebd. 75), „das Martyrium“ und „die universalen und unveränderlichen sittlichen Normen“ (ebd. 91ff). Das wörtliche Zitieren der Nr. 84 von Familiaris Consortio und einiger, zentraler Steilen von Veritatis splendor würden AL vor Interpretationen schützen, die von der kirchlichen Lehre abweichen. Allgemeine Anspielungen auf moralische Grundsätze und auf die Lehre der Kirche sind mit Sicherheit unzureichend in einem so umstrittenen Bereich, der von ebenso delikater wie entscheidender Bedeutung ist.

Einige Vertreter des Klerus und auch des Episkopats behaupten bereits, dass laut dem Geist des achten Kapitels von AL in Ausnahmefällen die wiederverheirateten Geschiedenen zur Heiligen Kommunion zugelassen werden können, ohne dass von ihnen ein Leben in völliger Enthaltsamkeit verlangt werde. Wenn man eine solche Interpretation von Buchstabe und Geist von AL zulässt, müsste man, mit intellektueller Redlichkeit und aufgrund des Satzes vom ausgeschlossenen Widerspruch, folgende logische Schlussfolgerungen akzeptieren: • Das Sechste Gebot Gottes, das jeden sexuellen Akt außerhalb der gültigen Ehe verbietet, wäre nicht mehr universal gültig, wenn Ausnahmen zugelassen wären. Im konkreten Fall: Die Geschiedenen könnten den sexuellen Akt vollziehen und würden dazu sogar ermutigt werden zum Zweck der Bewahrung gegenseitiger „Treue“ (vgl. AL, 298). Daraus würde sich eine „Treue“ ergeben in einem Lebensstil, der direkt dem ausdrücklichen Willen Gottes widerspricht. Zudem hieße es, der Göttlichen Offenbarung zu widersprechen, würde man zu Handlungen ermutigen und solche rechtfertigen, die in sich und immer im Widerspruch zum Willen Gottes stehen.

• Das göttliche Wort Christi: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Mt 19,6), wäre damit nicht mehr immer und ausnahmslos für alle Eheleute gültig.

• Es wäre in einem besonderen Fall möglich, das Bußsakrament und die Heilige Kommunion zu empfangen mit der Absicht, direkt die göttlichen Gebote „Du sollst nicht die Ehe brechen“ (Ex. 20,14), und „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Mt 19,6; Gen 2,24), zu missachten.

• Die Einhaltung dieser Gebote und des Wortes Gottes würde in diesen Fällen nur in der Theorie, aber nicht in der Praxis geschehen und damit würden die wiederverheirateten Geschiedenen verleitet, „sich selbst zu betrügen“ (Jak 1,22). Man könnte demnach den vollen Glauben an den göttlichen Charakter des Sechsten Gebotes sowie der Unauflöslichkeit der Ehe haben, aber ohne die entsprechenden Werke.

• Das Göttliche Wort Christi: „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch ihr gegenüber. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet“ (Mk 10,12), hätte keine universale Gültigkeit mehr, sondern würde Ausnahmen zulassen.

• Die ständige, bewusste und freie Verletzung des Sechsten Gebotes Gottes und der Heiligkeit und Unauflöslichkeit der eigenen gültigen Ehe (im Falle von wiederverheirateten Geschiedenen) wäre also nicht mehr eine schwere Sünde oder eine direkte Widersetzung gegen den Willen Gottes.

• Damit könnte es auch Fälle einer schwerwiegenden, ständigen, bewussten und freien Verletzung der anderen Gebote Gottes (z.B. im Fall eines Lebensstils der Finanzkorruption) geben, bei denen einer bestimmten Person aufgrund mildernder Umstände der Zugang zu den Sakramenten zugesprochen werden könnte, ohne von ihr eine ehrliche Bereitschaft zu verlangen, in Zukunft die sündhaften Handlungen und das Ärgernis zu vermeiden.

• Die immerwährende und unfehlbare Lehre der Kirche wäre nicht mehr universal gültig, im Besonderen die von Papst Johannes Paul II. in Familiaris Consortio Nr. 84 und von Papst Benedikt XVI. in Sacramentum caritatis Nr. 29 bekräftigte Lehre, laut der die völlige Enthaltsamkeit Bedingung für Geschiedene ist, um die Sakramente empfangen zu können.

• Die Befolgung des Sechsten Gebotes Gottes und die Anerkennung der Unauflöslichkeit der Ehe wäre damit irgendwie nur für eine Elite, nicht aber ein für alle erreichbares Ideal.

• Die kompromisslosen Worte Christi, die alle Menschen ermahnen, die Gebote Gottes immer und unter allen Umständen zu befolgen, und dafür auch beachtliche Leiden in Kauf zu nehmen, anders ausgedrückt, auch das Kreuz anzunehmen, wären in ihrer Wahrheit nicht mehr gültig: „Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verlorengeht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt“ (Mt 5,30).

Paare, die in einer „irregulären Verbindung“ leben, zur Heiligen Kommunion zuzulassen, indem man ihnen erlaubt, die den Ehepartnern einer gültigen Ehe vorbehaltenen Akte zu praktizieren, käme der Anmaßung einer Macht gleich, die keiner menschlichen Autorität zusteht, weil damit der Anspruch erhoben würde, das Wort Gottes korrigieren zu wollen.

 

Gefahren einer Kollaboration der Kirche in der Verbreitung der „Scheidungsplage“

Die Kirche lehrt uns, indem sie die immerwährende Lehre Unseres Herrn Jesus Christus bekennt: „In Treue zum Herrn kann die Kirche die Verbindung der zivil wiederverheirateten Geschiedenen nicht als Ehe anerkennen. »Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet« (Mk 10,11-12). Die Kirche schenkt diesen Menschen aufmerksame Zuwendung und lädt sie zu einem Leben aus dem Glauben, zum Gebet, zu Werken der Nächstenliebe und zur christlichen Erziehung der Kinder ein. Doch solange diese Situation fortdauert, die dem Gesetz Gottes objektiv widerspricht, können sie nicht die sakramentale Lossprechung empfangen, nicht zur heiligen Kommunion hinzutreten und gewisse kirchliche Aufgaben nicht ausüben“ (Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche, 349).

In einer ungültigen ehelichen Verbindung zu leben, mit der man ständig dem Gebot Gottes und der Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe widerspricht, bedeutet, nicht in der Wahrheit zu leben. Zu erklären, dass das willentliche, freie und gewohnheitsmäßige Praktizieren sexueller Handlungen in einer ungültigen ehelichen Verbindung in einem konkreten Fall nicht mehr eine schwere Sünde sein könnte, ist nicht die Wahrheit, sondern eine schwere Lüge und wird daher nie zu einer wirklichen Freude in Liebe führen. Diesen Personen den Empfang der Heiligen Kommunion zu erlauben, bedeutet Simulation, Heuchelei und Lüge. Das Wort Gottes in der Heiligen Schrift gilt: „Wer sagt: ,Ich habe ihn erkannt!‘, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner und die Wahrheit ist nicht in ihm“(lJoh2,4).

Das Lehramt der Kirche lehrt uns die Gültigkeit der zehn Gebote Gottes: „Weil die zehn Gebote die Grundpflichten des Menschen gegenüber Gott und dem Nächsten zum Ausdruck bringen, sind sie ihrem Wesen nach schwerwiegende Verpflichtungen. Sie sind unveränderlich, sie gelten immer und überall. Niemand kann von ihnen dispensieren“ (KKK, 2072). Jene, die behauptet haben, dass die Gebote Gottes und besonders das Gebot „Du sollst nicht die Ehe brechen“, Ausnahmen haben könnten und dass in manchen Fällen sogar die Schuld für die Scheidung nicht anrechenbar sei, waren die Pharisäer und später die christlichen Gnostiker des zweiten und dritten Jahrhunderts.

Die folgenden Aussagen von Papst Johannes Paul IL bleiben immer gültig, weil sie eine unfehlbare Lehre in der Form des universalen und ordentlichen Lehramtes sind: „Die negativen Gebote des Naturgesetzes sind allgemein gültig: sie verpflichten alle und jeden einzelnen allezeit und unter allen Umständen. Es handelt sich in der Tat um Verbote, die eine bestimmte Handlung semper et pro semper verbieten, ohne Ausnahme, […] es gibt Verhaltensweisen, die niemals, in keiner Situation, eine angemessene […] Lösung sein können. […] Die Kirche hat immer gelehrt, dass Verhaltensweisen, die von den im Alten und im Neuen Testament in negativer Form formulierten sittlichen Geboten untersagt werden, nie gewählt werden dürfen. Wie wir gesehen haben, bestätigt Jesus selber die Unumgänglichkeit dieser Verbote: ,Wenn du das Leben erlangen willst, halte die Gebote! … Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen‘ (Mt 19, 17-18)“ (Enzyklika Veritatis splendor, 52).

Das Lehramt der Kirche lehrt es uns noch viel deutlicher: „Das gute und reine Gewissen wird durch den wahren Glauben erleuchtet, denn die christliche Liebe geht gleichzeitig „aus reinem Herzen, gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben“ hervor (1 Tim 1,5) [Vgl. 1 Tim 3,9; 2 Tim 1,3; 1 Petr 3,21; Apg 24,16]“ (KKK, 1794).

Für den Fall, dass eine psychisch gesunde Person moralisch objektiv schwerwiegende Handlungen in vollem Bewusstsein, in freier Entscheidung und mit der Absicht, diese Handlungen in der Zukunft zu wiederholen, setzt, ist es unmöglich, den Grundsatz der Nicht-Anrechenbarkeit der Schuld aufgrund mildernder Umstände anzuwenden. Die Anwendung des Grundsatzes der Nicht-Anrechenbarkeit auf diese Paare der wiederverheirateten Geschiedenen wäre eine Heuchelei und ein gnostischer Sophismus. Wenn die Kirche diese Personen auch nur in einem einzigen Fall zur Heiligen Kommunion zulässt, würde sie dem widersprechen, was sie in der Lehre bekennt, indem sie selbst ein öffentliches Zeugnis gegen die Unauflöslichkeit der Ehe geben und damit zur weiteren Verbreitung der „Plage der Scheidung“ (II. Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes, 47) beitragen würde. Um einen solchen unerträglichen und Ärgernis erregenden Widerspruch zu vermeiden, hat die Kirche in unfehlbarer Auslegung der Göttlichen Wahrheit des Moralgesetzes und der Unauflöslichkeit der Ehe, für zweitausend Jahre unveränderlich und ohne Ausnahme oder besonderes Privileg, die Praxis befolgt, zur Heiligen Kommunion nur jene Geschiedenen zuzulassen, die in völliger Enthaltsamkeit leben und unter Vermeidung eines Ärgernisses („remoto scandalo“).

Die erste pastorale Aufgabe, die der Herr Seiner Kirche anvertraut hat, ist die Unterweisung und die Lehre (vgl. Mt 28,20). Die Befolgung der Gebote Gottes ist intrinsisch mit der Lehre verbunden. Aus diesem Grund hat die Kirche immer den Widerspruch von Lehre und Leben zurückgewiesen und einen solchen Widerspruch als gnostisch verurteilt, ebenso die häretische lutherische Lehre des „simul iustus et peccator“. Zwischen dem Glauben und dem Leben der Kinder der Kirche sollte es keinen Widerspruch geben.

Wenn es um die Befolgung der von Gott gegebenen Gebote und die Unauflöslichkeit der Ehe geht, kann man nicht von gegensätzlichen theologischen Interpretationen sprechen. Wenn Gott gesagt hat: „Du sollst nicht die Ehe brechen“, kann keine menschliche Autorität sagen: „aber in einem besonderen Fall oder für einen guten Zweck kannst du die Ehe brechen.“

Folgende Aussagen von Papst Franziskus sind diesbezüglich sehr wichtig, in denen der Papst über die Einbindung der wiederverheirateten Geschiedenen in das Leben der Kirche spricht: Diese Unterscheidung kann „niemals von den Erfordernissen der Wahrheit und der Liebe des Evangeliums, die die Kirche vorlegt, absehen […] Damit dies geschieht, müssen […] die notwendigen Voraussetzungen der Demut, der Diskretion, der Liebe zur Kirche und ihrer Lehre verbürgt sein. […] wird das Risiko vermieden, dass eine bestimmte Unterscheidung daran denken lässt, die Kirche vertrete eine Doppelmoral“ (AL, 300). Diese lobenswerten Aussagen von AL bleiben jedoch ohne konkrete Hinweise auf die Verpflichtung der wiederverheirateten Geschiedenen, sich zu trennen oder zumindest in völliger Enthaltsamkeit zu leben.

Wenn es um Leben oder Tod des Körpers geht, würde kein Arzt die Dinge im Zweifel lassen. Der Arzt kann nicht zum Patienten sagen: „Sie müssen die Anwendung der Medizin gemäß ihrem Gewissen und in Beachtung der Gesetze der Medizin entscheiden.“ Ein solches Verhalten eines Arztes würde man ohne jeden Zweifel als verantwortungslos betrachten. Das Leben der unsterblichen Seele ist jedoch noch wichtiger, denn von der Gesundheit der Seele hängt ihr Schicksal für die ganze Ewigkeit ab.

 

Die freimachende Wahrheit der Buße und des Kreuzesgeheimnisses

Zu behaupten, wiederverheiratete Geschiedene seien keine öffentlichen Sünder, bedeutet, etwas Falsches vorzutäuschen. Abgesehen davon: Sünder zu sein, ist der wahre Zustand aller Glieder der streitenden Kirche auf Erden. Wenn die wiederverheirateten Geschiedenen sagen, dass ihre willentlichen und absichtlichen Handlungen gegen das Sechste Gebot Gottes keineswegs Sünde oder schwere Sünde seien, betrügen sie sich selbst und die Wahrheit ist nicht in ihnen, wie der heilige Evangelist Johannes sagt: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns“ (1 Joh 1,8-10). Vonseiten der wiederverheirateten Geschiedenen die Wahrheit anzuerkennen, dass sie Sünder und auch öffentliche Sünder sind, nimmt ihnen nichts von ihrer christlichen Hoffnung. Nur die Anerkennung der Wirklichkeit und der Wahrheit befähigt sie, nach den Worten Jesu Christi, den Weg einer fruchtbringenden Buße zu beschreiten.

Es wäre sehr gesund, den Geist der ersten Christen und der Zeit der Kirchenväter wiederherzustellen, als es eine lebendige Solidarität der Gläubigen mit den öffentlichen Sündern gab und vor allem eine Solidarität gemäß der Wahrheit. Eine Solidarität, die nichts Diskriminierendes hatte; im Gegenteil, es gab die Teilnahme der ganzen Kirche am Bußweg der öffentlichen Sünder durch das Fürbittgebet, die Tränen, die Bußübungen und die Werke der Nächstenliebe zu ihren Gunsten.

Das Apostolische Schreiben Familiaris Consortio lehrt, dass „auch diejenigen, die sich vom Gebot des Herrn entfernt haben und noch in einer solchen Situation leben, von Gott die Gnade der Umkehr und des Heils erhalten können, wenn sie ausdauernd geblieben sind in Gebet, Buße und Liebe“ (Nr. 84).

Während der ersten Jahrhunderte waren die öffentlichen Sünder in die betende Gemeinschaft der Gläubigen integriert und hatten auf den Knien und mit erhobenen Armen die Fürsprache ihrer Brüder zu erflehen. Tertullian gibt uns ein berührendes Zeugnis davon: „Der Körper kann sich nicht erfreuen, wenn eines seiner Glieder leidet. Es ist notwendig, dass er als Ganzes betrübt ist und an seiner Heilung arbeitet. Wenn du auf den Knien die Hände zu deinen Brüdern erhebst, ist es Christus, den du berührst, ist es Christus, den du anflehst. Ebenso ist es Christus, der mitleidet, wenn sie Tränen für dich vergießen“ (De pasnitentia, 10, 5-6). Auf dieselbe Weise sagt der heilige Ambrosius von Mailand: „Die ganze Kirche hat das Joch des öffentlichen Sünders auf sich geladen und leidet mit ihm durch Tränen, Gebet und Schmerz“ (De pasnitentia, 1, 81).

Es stimmt, dass sich die Bußdisziplin der Kirche geändert hat, aber der Geist dieser Disziplin muss in der Kirche aller Zeiten bleiben. Heute beginnen einige Priester und Bischöfe, unter Berufung auf einige Aussagen von AL, den wiederverheirateten Geschiedenen zu verstehen zu geben, dass ihr Zustand nicht dem objektiven Zustand von öffentlichen Sündern entspreche. Sie beruhigen sie, indem sie sagen, dass ihre sexuellen Handlungen keine schwere Sünde seien. Eine solche Haltung entspricht nicht der Wahrheit. Sie berauben die wiederverheirateten Geschiedenen der Möglichkeit zu einer radikalen Umkehr zum Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, indem sie diese Seelen der Illusion überlassen, alles sei in Ordnung. Eine solche pastorale Haltung ist billig, denn sie kostet nichts. Sie kostet keine Tränen, keine Gebete und keine Werke der Fürsprache und der brüderlichen Sühne zugunsten der wiederverheirateten Geschiedenen.

Indem man auch nur in Ausnahmefällen wiederverheiratete Geschiedene zur Heiligen Kommunion zulässt, ohne von ihnen ein Ende ihrer Handlungen gegen das Sechste Gebot Gottes zu verlangen, und zudem sogar noch anmaßend behauptet, diese Handlungen seien nicht einmal schwere Sünde, wählt man den leichten Weg und vermeidet das Ärgernis des Kreuzes. Eine solche Seelsorge für wiederverheiratete Geschiedene ist eine kurzlebige und betrügerische Seelsorge. An alle, die den wiederverheirateten Geschiedenen einen solchen leichten und billigen Weg vorgaukeln, richtet Jesus auch heute diese Worte: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16,23-24).

Was die Seelsorge für die wiederverheirateten Geschiedenen betrifft, ist heute auch der Geist wiederzubeleben, Christus in der Wahrheit des Kreuzes und der Buße zu folgen, die allein zur beständigen Freude führt und die flüchtigen Freuden zu meiden, die letztlich betrügerisch sind. Folgende Worte des heiligen Papstes Gregor des Großen sind wirklich aktuell und erhellend: „Wir dürfen uns nicht zu sehr an unser irdisches Exil gewöhnen, die Bequemlichkeiten dieses Lebens dürfen uns nicht unsere wahre Heimat vergessen machen, so dass unser Geist nicht schläfrig wird inmitten der Bequemlichkeiten. Aus diesem Grund fügt Gott Seinen Gaben Seine Heimsuchungen oder Strafen hinzu, auf dass alles, was uns bezaubert auf dieser Welt, für uns bitter wird und sich in der Seele jenes Feuer entfacht, das uns immer von Neuem zum Wunsch nach den himmlischen Dingen drängt und uns vorankommen lässt. Dieses Feuer verwundet uns auf angenehme Weise, es kreuzigt uns sanft und betrübt uns freudig“ (In Hez, 2,4,3).

Der Geist der authentischen Bußdisziplin der Kirche der ersten Jahrhundertenhat in der Kirche aller Zeiten bis heute fortgewirkt. Wir haben zum Beispiel das bewegende Zeugnis der seligen Laura del Carmen Vicuna, die 1891 in Chile geboren wurde. Schwester Azocar, die Laura gepflegt hat, berichtete: „Ich erinnere mich, dass Laura, als ich ihr zum ersten Mal das Ehesakrament erklärte, fast in Ohnmacht fiel, weil sie durch meine Worte verstanden hatte, dass ihre Mutter sich im Zustand der Todsünde befand, solange sie mit ihrem Mann zusammen blieb. Zu jener Zeit gab es in Junin nur eine einzige Familie, die in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes lebte.“ Von da an vermehrte sie Gebet und Buße für ihre Mutter. Am 2. Juni 1901 empfing sie mit großem Eifer die erste Heilige Kommunion. Dazu schrieb sie Folgendes: „1. Ich will Dich, oh mein Jesus, lieben und Dir mein ganzes Leben dienen, deshalb biete ich Dir meine ganze Seele, mein Herz und mein ganzes Sein. 2. Ich möchte lieber sterben als Dich durch Sünde zu beleidigen, deshalb will ich mich von allem fernhalten, das mich von Dir trennen könnte. 3. verspreche ich Dir, alles mir Mögliche zu tun, damit Du besser erkannt und mehr geliebt wirst und um die Beleidigungen wiedergutzumachen, die Dir jeden Tag die Menschen zufügen, die Dich nicht lieben, besonders jene, die Dir von denen zugefügt werden, die mir nahe sind. Oh mein Gott, schenke mir ein Leben der Liebe, der Abtötung und des Opfers!“ Ihre große Freude war jedoch verdunkelt, weil sie sah, dass die bei der Feier anwesende Mutter nicht zur Kommunion ging. 1902 bot Laura ihr Leben für die Mutter, die mit einem Mann in einer irregulären Beziehung in Argentinien lebte. Laura betete noch mehr und unterzog sich Entbehrungen, um die Bekehrung der Mutter zu erlangen. Wenige Stunden bevor sie starb, rief sie die Mutter zu sich. Dem Sterben nahe rief sie aus: „Mama, ich werde sterben. Ich habe Jesus darum gebeten. Ihm habe ich mein Leben für die Gnade Deiner Rückkehr angeboten. Mama, werde ich die Gnade haben, Deine Umkehr zu sehen, bevor ich sterbe?“ Erschüttert versprach die Mutter: „Morgen früh werde ich in die Kirche gehen, um zu beichten.“ Laura suchte darauf den Blick des Priesters und sagte ihm: „Pater, meine Mutter verspricht in diesem Moment, jenen Mann zu verlassen. Seien Sie Zeuge dieses Versprechens!“ Dann fügte sie hinzu: „Nur. sterbe ich zufrieden!“ Mit diesen Worte‘ hauchte sie im Alter von 13 Jahren am 21 Januar 1904 in Junin de los Andes (Argentinien) in den Armen ihrer Mutter ihr Leben aus, die ihren Glauben wiederfand und der irregulären Beziehung, in der sie lebte, ein Ende setzte.

Das bewundernswerte Beispiel des Lebens des seligen Mädchens Laura ist ein Beweis dafür, wie ernst ein wirklicher Katholik das Sechste Gebot Gottes und die Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe nimmt. Unser Herr Jesus Christus ermahnt uns, auch nur den Schein einer Zustimmung zu irregulären Verbindungen oder zum Ehebruch zu vermeiden. Dieses göttliche Gebot hat die Kirche immer ohne Zweideutigkeit in der Lehre und der Praxis treu bewahrt und weitergegeben. Man gibt sein Leben nicht für eine mögliche doktrinelle oder pastorale Interpretation hin, aber für die unveränderliche und universal gültige göttliche Wahrheit. Diese Wahrheit wurde bewiesen durch die Lebenshingabe zahlreicher Heiliger, vom heiligen Johannes dem Täufer bis zu einfachen Gläubigen unserer Tage, deren Namen nur Gott kennt.

 

Notwendigkeit einer „Veritatis laetitia – Freude der Wahrheit“

Das Dokument Amoris leetitia (Die Freude der Liebe) enthält sicher und zum Glück theologische Aussagen sowie spirituelle und pastorale Hinweise von großem Wert. Dennoch ist es realistischerweise ungenügend zu sagen, dass AL gemäß der überlieferten Lehre und Praxis der Kirche zu interpretieren sei. Wenn in einem kirchlichen Dokument, dem in unserem Fall der definitive und unfehlbare Charakter fehlt, Interpretations- und Anwendungselemente festgestellt werden, die gefährliche geistliche Folgen haben können, haben alle Glieder der Kirche und in erster Linie die Bischöfe als brüderliche Mitarbeiter des Papstes in der effektiven Kollegialität die Pflicht, diese Tatsache respektvoll aufzuzeigen und um eine authentische Interpretation zu ersuchen.

Wenn es sich um den göttlichen Glauben handelt, um die göttlichen Gebote und die Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe, müssen alle Glieder der Kirche von den einfachen Gläubigen bis zu den höchsten Vertretern des Lehramtes eine gemeinsame Anstrengung vollbringen, um den Glaubensschatz und seine praktische Anwendung intakt zu bewahren.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat gelehrt: „Das heilige Gottesvolk nimmt auch teil an dem prophetischen Amt Christi, in der Verbreitung seines lebendigen Zeugnisses vor allem durch ein Leben in Glauben und Liebe, in der Darbringung des Lobesopfers an Gott als Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen (vgl. Hebr 13,15). Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27), kann im Glauben nicht irren. Und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie „von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien“ (Hl. Augustinus, De prasdest. Sanctorum, 14, 27) ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert. Durch jenen Glaubenssinn nämlich, der vom Geist der Wahrheit geweckt und genährt wird, hält das Gottesvolk unter der Leitung des heiligen Lehramtes, in dessen treuer Gefolgschaft es nicht mehr das Wort von Menschen, sondern wirklich das Wort Gottes empfängt (vgl. 1 Thess 2,13), den einmal den Heiligen übergebenen Glauben (vgl. Jud 3) unverlierbar fest. Durch ihn dringt es mit rechtem Urteil immer tiefer in den . Glauben ein und wendet ihn im Leben I voller an“ (Lumen gentium, 12). Das I Lehramt seinerseits „ist nicht über dem I Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt als was überliefert ist“ (Dei Verbum, 10).

Es war gerade das Zweite Vatikanische Konzil, das alle Gläubigen und vor allem die Bischöfe ermutigte, furchtlos ihre Sorgen und Beobachtungen mit Blick auf das Wohl der ganzen Kirche zu bekunden. Unterwürfigkeit und politische Korrektheit verursachen dem Leben der Kirche ein unheilvolles Übel. Der berühmte Bischof und Theologe des Konzils von Trient, Melchior Cano OP äußerte diesen denkwürdigen Satz: „Petrus braucht nicht unsere Lügen und unsere Schmeicheleien. Jene, die blind und unterschiedslos jede Entscheidung des Papstes verteidigen, sind jene, di; am meisten die Autorität des Heiliger. Stuhls untergraben: Sie zerstören sein; Fundamente, anstatt sie zu stärken.“

Unser Herr hat uns ohne Zweideutigkeit gelehrt, worin die wahre Liebs und die wahre Freude der Liebe bestehen: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt“ (Joh 14, 21). Indem Gott den Menschen das Sechste Gebot gab und die Unauflöslichkeit der Ehe, gab Er sie ausnahmslos allen und nicht nur einer Elite. Bereits im Alten Testament hat Gott erklärt: „Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir“ (Dtn 30,11), und „Wenn du willst, kannst du das Gebot halten; / Gottes Willen zu tun ist Treue“ (Sir 15,15). Jesus sagte zu allen: „Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist »der Gute«. Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote! Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen“ (Mt 19,17-18). Die Apostel haben uns dieselbe Lehre übermittelt: „Denn die Liebe zu Gott besteht darin, dass wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer“ (1 Joh 5,3).

Es gibt kein wirkliches, übernatürliches und ewiges Leben ohne Beachtung der Gebote Gottes. „Ich verpflichte dich, die Gebote des Herrn zu beachten. Hiermit lege ich dir heute das Leben und den Tod vor. Wähle das Leben!“ (Dtn 30,15-19) Es gibt also kein wahres Leben und keine authentische Freude der Liebe ohne die Wahrheit. „Denn die Liebe besteht darin, dass wir nach seinen Geboten leben“ (2 Joh 1,6). Die Freude der Liebe besteht in der Freude der Wahrheit. Das authentische christliche Leben besteht im Leben und in der Freude der Wahrheit: „Ich habe keine größere Freude als zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit leben“ (3 Joh 1,4).

Der heilige Augustinus erklärt uns die innige Verbindung zwischen der Freude und der Wahrheit: „Ich frage alle, ob sie nicht die Freude der Wahrheit jener der Lüge vorziehen. Und sie zögern hier ebenso wenig wie bei der Frage über das Glück. Weil das glückliche Leben in der Freude der Wahrheit besteht, wollen wir alle die Freude der Wahrheit“ (Confessiones,X, 23).

 

Die Gefahr einer allgemeinen Verwirrung bezüglich der Unauflöslichkeit der Ehe

Seit einiger Zeit ist an einigen Orten im Leben der Kirche der stillschweigend praktizierte Missbrauch festzustellen, die wiederverheirateten Geschiedenen zur Hl. Kommunion zuzulassen, ohne von ihnen ein Leben in völliger Enthaltsamkeit zu verlangen. Die wenig klaren Aussagen des achten Kapitels von AL haben den erklärten Verfechtern dieser Zulassung neuen Schwung verliehen. Wir können nun feststellen, dass der Missbrauch sich in der Praxis weiter ausbreitet, weil er in gewisser Weise legitimiert wird. Die Verwirrung wird auf die Spitze getrieben, weil beide Seiten, sowohl die Verfechter einer Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion als auch deren Gegner, behaupten, dass „die Lehre der Kirche in diesem Bereich nicht geändert wurde“.

Bei allen historischen und doktrinellen Unterschieden weist unsere aktuelle Situation einige Ähnlichkeiten und Analogien mit der allgemeinen Verwirrung auf, die im vierten Jahrhundert während der arianischen Krise herrschte. Damals wurde der überlieferte apostolische Glauben an die wahre Gottheit des Sohnes Gottes durch den Begriff „wesensgleich“ (homoousios) garantiert, der vom universalen Lehramt des ersten Konzils von Nicäa dogmatisch verkündet worden war. Die tiefe Glaubenskrise mit einer universalen Verwirrung wurde vor allem durch die Ablehnung oder die Vermeidung verursacht, das Wort „wesensgleich“ (homoousios) zu gebrauchen. Anstatt diesen Begriff zu gebrauchen, verbreitete sich im Klerus und vor allem im Episkopat der Gebrauch von Alternativformeln, die zweideutig und unpräzise waren, wie „wesensähnlich“ (homooiousios) oder einfach nur „ähnlich“ (homoios). Die Forme: „homoousios“ des universalen Lehramtes jener Zeit drückte die volle und wahr: Gottheit des WORTES auf so klare Weise aus, dass es keinen Spielraum für missverständliche Interpretationen gab. In den Jahren 357-360 war fast der gesamte Episkopat arianisch oder semiarianisch geworden wegen der nachfolgenden Ereignisse: Im Jahr 357 unterzeichnete Papst Liberius eine der zweideutigen Formeln von Sirmium, in der der Begriff „homoousios“ nicht mehr vorkam. Zudem exkommunizierte der Papst auf skandalöse Weise den heiligen Athanasius. Der heilige Hilarius von Poitiers war damals der einzige Bischof, der Papst Liberius für diese Handlungen scharf tadelte. Im Jahre 359 verabschiedeten zwei Parallelsynoden des lateinischen Episkopats in Rimini und des griechischen Episkopats in Seleukia völlig arianische Formeln, die noch schlimmer waren als die von Papst Liberius unterzeichnete Formel. Der heilige Hieronymus beschrieb die Verwirrung jener Zeit mit den Worten: „Es stöhnte der ganze Erdkreis und wunderte sich, dass er arianisch geworden war“ (Ingemuit totus orbis et arianum se esse miratus est, Adv. Lucif, 19).

Man kann sagen, dass unsere Epoche durch eine große Verwirrung gekennzeichnet ist, was die sakramentale Disziplin für die wiederverheirateten Geschiedenen anbelangt. Es besteht die reale Gefahr, dass diese Verwirrung sich in großem Rahmen ausbreitet, wenn wir nicht die Formel des universalen und unfehlbaren Lehramtes verkünden und zwar: „Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, […] »die sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind«“ (Familiaris Consortio, 84). Diese Formel fehlt leider aus unverständlichen Gründen in AL. AL enthält hingegen auf ebenso unerklärliche Weise folgende Erklärung: „Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, »wie Geschwister« zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, »nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden [kann]«“ (AL, Fußnote 329). Diese Aussage hinterlässt den Eindruck eines Widerspruchs mit der immer gültigen Lehre des universalen Lehramtes, wie sie in Familiaris Consortio Nr. 84 formuliert ist. Es ist daher dringend notwendig, dass der Heilige Stuhl die zitierte Formel von Familiaris Consortio, Nr. 84 bekräftigt oder erneut verkündet, eventuell in Form einer authentischen Interpretation von AL. Diese Formel könnte unter bestimmten Aspekten als „homoousios“ unserer Tage angesehen werden. Die fehlende ofEzielle und ausdrückliche Bekräftigung der Formel von Familiaris Consortio Nr. 84 durch den Apostolischen Stuhl könnte zu einer immer größer werdenden Verwirrung in der sakramentalen Disziplin beitragen mit graduellen und unvermeidlichen Auswirkungen auf doktrineller Ebene. Auf diese Weise würde eine Situation entstehen, auf die man in Zukunft folgende Feststellung anwenden könnte: „Es stöhnte der ganze Erdkreis und wunderte sich, dass er in der Praxis die Scheidung akzeptiert hatte“ (Ingemuit totus orbis, et divortium in praxi se accepisse miratus est).

Eine Verwirrung der sakramentalen Disziplin gegenüber den wiederverheirateten Geschiedenen mit den sich daraus ergebenden doktrinellen Implikationen würde der Natur der katholischen Kirche widersprechen, so wie es vom heiligen Irenäus im 2. Jahrhundert beschrieben wurde: „Obwohl die Kirche über die ganze Welt verstreut ist, bewahrt sie die Unterweisung des Glaubens mit Sorgfalt, als würde sie in einem einzigen Haus wohnen. Auf dieselbe Weise glaubt sie diese Wahrheit, so als hätte sie eine einzige Seele; und sie verkündet sie, lehrt sie und gibt sie weiter mit einer Stimme, so als hätte sie nur einen einzigen Mund“ (Adversus hsereses,I,10,2).

Der Sitz des Petrus, d.h. der Papst, ist der Garant der Einheit des Glaubens und der sakramentalen apostolischen Disziplin. Angesichts der unter Priestern und Bischöfen entstandenen Verwirrung, was die sakramentale Praxis bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen und die Interpretation von AL betrifft, ist ein Appell an unseren lieben Papst Franziskus, den Stellvertreter Christi und „süßen Christus auf Erden“ (hl. Katharina von Siena) als berechtigt anzusehen, dass er die Veröffentlichung einer authentischen Interpretation von AL anordnet, die notwendigerweise eine ausdrückliche Erklärung des disziplinaren Prinzips des universalen und unfehlbaren Lehramtes bezüglich der Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten enthalten müsste, so wie sie in der Nr. 84 von Familiaris Consortio formuliert ist.

In der großen arianischen Verwirrung des 4. Jahrhunderts richtete der hl. Basilius der Große einen dringenden Appell an den Papst von Rom, damit er mit seinem Wort eine klare Richtung vorgebe, um endlich die Einheit des Denkens im Glauben und in der Liebe zu erreichen (vgl. Ep. 70).

Eine authentische Interpretation von AL durch den Apostolischen Stuhl könnte für die ganze Kirche eine Freude in der Klarheit (claritatis leetitia) bringen. Diese Klarheit würde eine Liebe in der Freude (amoris lastitia) garantieren, eine Liebe und eine Freude, die nicht nach dem Denken der Menschen, sondern nach dem Denken Gottes (vgl. Mt 16,23) wäre.

Das ist es, was zählt für die Freude, das Leben und das ewige Heil der wiederverheirateten Geschiedenen und für alle Menschen.

 

Über den Autor

S. E. Msgr. Athanasius Schneider ist Weihbischof im Erzbistum der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana in Kasachstan. Er wurde 1961 als jüngstes von vier Kindern in eine schwarzmeerdeutsche Familie geboren, die 1973 nach Deutschland übersiedelte. Nach der Schule trat er dem Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz bei. BenediktXVI. ernannte ihn 2006 zum Weihbischof. Er verteidigte in zwei Schriften insbesondere die Mundkommunion als altkirchliche Praxis („Dominus est“ und „Corpus Christi“). Weihbischof Schneider feiert regelmäßig Pontifikalämter in der außerordentlichen Form des römischen Ritus.

 

Impressum

Herausgeber:

Priesterbruderschaft St. Petrus e. V.

Kirchstraße 16

88145 Wigratzbad

 

Verantwortlicher Redakteur:

P. Bernhard Gerstle FSSP

Eine-Welt Religion

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Die Eine-Welt-Religion wird kommen: Papst Franziskus begrüßt führenden islamischen Geistlichen herzlich im Vatikan

Michael Snyder

Als Papst Franziskus am Montag mit Scheich Ahmed al-Tayyeb im Vatikan zusammentraf, sagte er ihm: »Das Treffen ist die Botschaft.« Aber was genau war nun die Botschaft, die der Papst verbreiten wollte? Scheich Ahmed al-Tayyeb ist der »Scheich al-Azhar«, das heißt der Großimam der al-Azhar-Moschee in Kairo und zugleich Rektor der dortigen al-Azhar-Universität. Damit ist er eine der höchsten Autoritäten des sunnitischen Islam.

Die britische Tageszeitung Daily Mail schrieb, das Treffen der beiden religiösen Führer sei der »historische Versuch, den Dialog zwischen den beiden Religionen wieder aufzunehmen«. Wie Sie noch sehen werden, steht dieses jüngste Ereignis in einer ganzen Reihe von Bemühungen des Papstes, Brücken zwischen dem Katholizismus und verschiedenen anderen Religionen zu bauen. Worauf läuft dies alles letztendlich hinaus? Ist es möglich, dass Papst Franziskus die Voraussetzung für eine »Super-Weltkirche« schaffen will – jene kommende Eine-Welt-Religion, vor der David Wilkerson und viele andere gewarnt haben?

Papst Franziskus sorgte dafür, dass viele Medienvertreter anwesend waren, als er Scheich Ahmed al-Tayyeb umarmte, damit dieser Augenblick auch entsprechend dokumentiert würde. Im Folgenden ein Auszug aus einem Artikel in der Daily Mail mit der Überschrift »Papst umarmt Imam bei historischem Treffen im Vatikan bei dem Versuch, die katholische Kirche und den Islam einander näherzubringen«:

»Papst Franziskus umarmte heute den Großimam von al-Azhar der renommierten Universität des sunnitischen Islam bei einem historischen Treffen im Vatikan, mit dem die katholische Kirche und der Islam einander nähergebracht werden sollten.

In einer Zeit zunehmender Übergriffe und Anschläge islamischer Extremisten auf Christen wurde Scheich Ahmed al-Tayyeb fotografiert, als er Franziskus während eines Besuchs des Apostolischen Palastes im Vatikan umarmte.«

Dieses Treffen erfolgte in zeitlicher Nähe zu einigen sehr seltsamen Bemerkungen, die der Papst in der vergangenen Zeit über den Islam und das Christentum geäußert hat. Wenn Sie nicht genau verstehen, was ich meine, hier ein Beispiel zur Veranschaulichung:

»›Ich glaube nicht, dass heute eine Angst vor dem Islam als solchem, aber durchaus vor [der Terrormiliz] Islamischer Staat und seines Eroberungskrieges existiert, die sich zum Teil aus dem Islam speist‹, sagte er gegenüber der französischen Zeitung La Croix. ›Es stimmt, dass die Vorstellung von Eroberung der Seele des Islam innewohnt, aber es ist genauso möglich, die Zielsetzung der Stelle im Matthäusevangelium, in der Jesus seine Jünger in alle Welt aussendet, analog der gleichen Eroberungsidee zu interpretieren.‹«

Der Papst erklärt auch, er stehe der Formulierung von den »christlichen Wurzeln Europas« nicht ohne Bedenken gegenüber, da sie aus seiner Sicht »kolonialistische Untertöne« enthalte, und forderte die europäischen Nationen auf, muslimische Einwanderer in Europa zu integrieren. »Diese Integration ist vor allem auch deswegen so notwendig, weil Europa aufgrund einer egoistischen Suche nach dem individuellen Wohlergehen mit dem schwierigen Problem zu geringer Geburtenraten zu kämpfen hat«, meinte er weiter. »Hier entwickelt sich eine demografische Lücke.«

Bei anderer Gelegenheit erklärte der Papst, Christen und Muslime seien »Brüder und Schwestern«. Papst Franziskus scheint sehr daran gelegen zu sein, das Christentum und den Islam als die zwei Seiten der gleichen Münze darzustellen. Und er ist bei seinem Zugehen auf die Muslime weiter gegangen als jeder andere Papst in der Geschichte.

Um diesen wichtigen Aspekt zu illustrieren, zitiere ich an dieser Stelle etwas ausführlicher aus einem meiner früheren Artikel:

»Bereits zu Beginn seines Pontifikats gestattete er zum ersten Mal überhaupt, dass im Vatikan islamische Gebete und Lesungen aus dem Koranstattfanden. Und in einem früheren Artikel mit der Überschrift ›Papst Franziskus bekennt sich in New York zum Chrislam und schafft die Grundlage für eine Eine-Welt-Religion‹ berichtete ich, dass Papst Franziskus bei seinem Besuch der St.-Patricks-Kathedrale in Manhattan keinen Zweifel daran ließ, dass Christen und Muslime nach seiner Überzeugung den gleichen Gott verehren. Und so eröffnete er seine Rede:

›Ich möchte in zweifacher Hinsicht mein Mitgefühl für meine muslimischen Brüder und Schwestern ausdrücken. Zum einen meine Grüße zum Opferfest, das sie gerade feiern. Ich hätte gewünscht, dass mein Gruß wärmer ausfiele. Und mein Gefühl der Nähe angesichts dieser Tragödie, die sie gerade in Mekka erleiden mussten. [Bei einer Massenpanik in Mina bei Mekka waren am Vortag mehr als 700 Pilger gestorben.] In solchen Momenten suche ich Halt im Gebet. Ich verbinde mich mit euch allen. Ein Gebet zum allmächtigen Gott, dem gnadenvollen.‹«

Im Islam wird Allah oft auch als der »Barmherzige« (»ar-Rahim«) bezeichnet. Papst Franziskus benutzt nicht zum ersten Mal diese Wortwahl. So sagte er anlässlich seiner ersten »Begegnung mit Vertretern der Kirche und kirchlichen Gemeinschaften und der verschiedenen Religionen« als Papst:

»Herzlich begrüße ich auch Sie alle und danke Ihnen, liebe Freunde, die Sie anderen religiösen Traditionen angehören; vor allem die Muslime, die den einen, lebendigen und barmherzigen Gott anbeten und im Gebet anrufen, und Sie alle. Ich schätze Ihre Anwesenheit sehr: In ihr sehe ich ein greifbares Zeichen des Willens, in der gegenseitigen Achtung und in der Zusammenarbeit für das Gemeinwohl der Menschheit zu wachsen.

Die katholische Kirche ist sich der Bedeutung bewusst, welche die Förderung der Freundschaft und der Achtung unter den Menschen verschiedener religiöser Traditionen besitzt – ich möchte das wiederholen: Förderung der Freundschaft und der Achtung unter den Menschen verschiedener religiöser Traditionen; das beweist auch die wertvolle Arbeit, die der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog leistet.«

Erkennen Sie allmählich, worum es hier geht?

Ein klares Muster zeichnet sich hier ab. Papst Franziskus ist überzeugt, dass Christen und Muslime den gleichen Gott verehren, und er will uns wissen lassen, dass der Islam seiner Ansicht nach eine völlig akzeptierbare Möglichkeit darstellt, Gott zu begegnen.

Wenn Sie noch Zweifel daran haben, sehen Sie sich bitte dieses Video an, das im Januar 2016 vom Vatikan veröffentlicht wurde. Dort erklärt Papst Franziskus, dass Menschen überall auf der Welt »Gott auf unterschiedlichen Wegen suchen oder ihm begegnen«. In dieser Vielfalt »gibt es nur eine Gewissheit, die wir alle teilen: Wir sind alle Kinder Gottes«. Etwa 20 Sekunden nach Beginn des Videos werden dann kurze Sequenzen mit Vertretern verschiedener Weltreligionen gezeigt, die ihren Glauben an ihren jeweiligen Gott bekennen. »Ich vertraue auf Buddha«, erklärt zuerst ein weiblicher Lama. »Ich glaube an Gott«, sagt ein jüdischer Rabbiner. »Ich glaube an Jesus Christus«, bekennt dann ein katholischer Priester, und zuletzt ist ein führender Muslim zu sehen, der erklärt: »Ich glaube an Allah.«

Dieses Video gehört zu den gruseligsten Dingen, die ich jemals auf YouTube gesehen habe. Es zeigt sich immer deutlicher, dass Papst Franziskus überzeugt ist, dass alle großen Religionen gleichwertige Wege zum gleichen Gott darstellen – und diese Äußerungen lösen keinen Aufstand aus. Dies zeigt nur, wie weit die ganze Angelegenheit schon gediehen ist. Die Eine-Welt-Religion, die vor fast 2000 Jahren in der biblischen Offenbarung prophezeit wurde, nimmt immer konkretere Gestalt an. Und wir werden Zeuge, wie sich die vorhergesagten Ereignisse der letzten Tage vor unseren Augen entfalten.

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Papst Franziskus

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Ein relativ katholischer Papst

Papst Franziskus kennt seine Gefährdungen, ohne ihrer Herr zu werden.

Kisslers Konter: Papst Franziskus praktiziert einen redseligen Relativismus. Das jüngste Interview brachte es einmal mehr ans Tageslicht. So schadet er der Kirche und verwirrt die Welt

Vielleicht ist alles ganz anders. Vielleicht ist das Pontifikat von Papst Franziskus tatsächlich jener gespielte Witz, als den es auch Wohlmeinende mittlerweile wahrnehmen. Vielleicht folgte auf #Varoufake und #Verafake ein #Popefake und Jan Böhmermann hat einen argentinischen Stand-up-Comedian in den Vatikan eingeschleust. Oder hat Roberto Benigni seine Finger im Spiel?

Ach nein, vermutlich stehen die Dinge anders, schlichter: Vermutlich ist Jorge Mario Bergoglio ein exakt so machtbewusster, geschwätziger und am Katholischen relativ desinteressierter Relativierer, wie Papst Franziskus mehr und mehr erscheint.

Am Anfang war es witzig. Da betrat ein korpulenter Charmeur die pontifikale Bühne und wünschte „Guten Abend“, gerne auch „Guten Appetit“ und hatte immer ein Scherzlein auf den Lippen. Was haben wir gelacht, als Bergoglio die Ehre seiner Mutter mit Ohrfeigen verteidigen zu wollen erklärte, als er den elterlichen Klaps auf das Kleinkind pries und Katholiken einschärfte, sie müssten sich nicht wie die Karnickel vermehren. Das war ein unkonventioneller Sound nach den fein ziselierten Erwägungen des Vorgängers, des antirelativistischen Theologenpapstes Benedikt XVI.

Franziskus vergleicht den IS mit den Jüngern Jesu
 

Da war nun stattdessen einer zum obersten Brückenbauer erkoren, der halbironisch bekannte, mit „wenigen theologischen Lichtern“ gesegnet zu sein, der volkstümliche Anekdoten aus der argentinischen Heimat aneinanderreihte und immer für einen Jokus zu haben war – und für einen Satz ohne Prädikat und für noch eine rhetorische Frage und für ein weiteres und ein weiteres Ausrufezeichen:„Das spielt keine Rolle! (…) Sich respektieren, sich respektieren!“ Die Witzeleien und die grammatikalischen Halbheiten sind geblieben, doch sie sind schal und verletzend geworden. Das Pontifikat droht der Kirche zu schaden und einer Welt zu gefallen, die allem Kirchlichen skeptisch gesonnen bleibt. Franziskus stößt Katholiken vor den Kopf, ohne unter Nichtkatholiken Gläubige zu finden. Die Austrittszahlen bleiben hoch, die Mengen der Neupriester überschaubar, das außerordentliche Jahr der Barmherzigkeit, das Franziskus ausrief, lockt wenige nach Rom.

Bergoglio gibt gerne Interviews, redet gerne und lacht gerne. Interviews mit dem Papst sind von der Weltsensation zum journalistischen Alltagsgeschäft geworden; auch so relativiert man die Besonderheit des Amtes. Das Interview, das Franziskus jetzt der französischen Wochenzeitung „La Croix“ gab, räumt alle Zweifel aus: Dieser Papst ist sich für keine Albernheit und keinen Affront wider die eigene Kirche zu schade. Er buhlt wissensschütter um Beifall vor jenen Tribünen der Welt, die sich von ihm nichts versprechen.

Vom massenmörderischen Terror des „Islamischen Staates“ und dessen „Eroberungskrieg“ schlägt er eine direkte Brücke zur Sendung der Jünger durch Jesus, welche im Sinne „derselben Idee von Eroberung“ gedeutet werden könne. Die Kirche als potenzielle Terrororganisation – eine Entgleisung oder mehr?

Was mögen sich Christen, die vor fanatisierten Muslimen um ihr Leben rennen, bei dieser kontrafaktischen Zusammenballung denken? Fühlen sie sich von ihrem Oberhirten getröstet, verstanden, aufgerichtet – oder zynisch im Stich gelassen? Wer alles mit allem vergleicht, verliert den Halt, verfehlt die eigene Haltung. Was sagt es über eine Kirche aus, wenn schon deren Chef sich schwertut mit einem Bekenntnis zur Heilsnotwendigkeit Christi?

Unreflektierter Antikapitalismus
 

Auch der von Franziskus in „La Croix“ vollzogene Gleichklang von Kreuz und Kopftuch – ein Kleidungsstück das eine, Marterwerkzeug und Bekenntnissymbol das andere –, und seine relativierende Wende von den christlichen Wurzeln Europas zu den auch christlichen Wurzeln Europas entleeren die päpstliche Rede. Präziser wurde Franziskus in der Wurzelfrage nicht, Vagheit ist das Echtheitszeichen allen Plauderns. Es gehorcht dem Motto „Nichts Genaues weiß man nicht“.

Mindestens naiv, wenn nicht töricht war sodann die päpstliche These, Kriege gäbe es, „weil es Waffenproduzenten gibt“. Als ob nicht mit bloßen Händen und Steinen schon Kriege geführt worden wären, als ob nicht Benzinkanister, Knüppel, Speer beinahe ausgereicht hätten, um den Völkermord der Hutu an den Tutsi ins Werk zu setzen. Etc. pp. Ein unreflektierter Antikapitalismus führt den Papst in die Irre.

Dem Plauderer ist alles eins. Er lebt in der Situation, und jede neue Situation erzwingt neue Aufmerksamkeitstechniken. Was danach kommt, trägt der Wind davon. Franziskus zeigt sich als Protagonist einer „reinen Situationsethik“ (Robert Spaemann). So trat er nun situativ, im Kreis von Ordensfrauen, eine Debatte über die Zulässigkeit von Diakonissen in der römisch-katholischen Kirche los. Er gab abermals den theologisch Unbeleckten und regte, um dem eigenen Unwissen aufzuhelfen, eine Kommission an. Diese solle klären, was es „in der Frühzeit der Kirche“ mit den Diakonissen auf sich hatte. Ein Papst müsste indes wissen, dass diese Frage 2002 von der Internationalen Theologenkommission des Vatikans unter dem Titel „Der Diakonat: Entwicklung und Perspektiven“ breit behandelt worden ist. Will Franziskus seinen Willen zur Neubewertung gegen den damaligen Sachverstand durchsetzen? War alles nur so eben dahin gesagt, weil es schön und nett zuging bei den Frauen? Hat er keine Ahnung?

Er will nicht schwätzen – und tut es doch ständig
 

Bergoglio kennt seine Gefährdungen, ohne ihrer Herr zu werden. Ein Hauch von Tragik umspielt ihn. Keinem anderen Thema hat Franziskus von den ersten Tagen des Pontifikats eine höhere Aufmerksamkeit gewidmet als der Warnung vor Geschwätz und Gerede: „Wie viel Geschwätz gibt es doch in der Kirche! Wie viel schwätzen wir Christen doch! Die Schwätzerei – das ist doch, als ziehe man sich gegenseitig die Haut ab, nicht?“ (18. Mai 2013) „Der Tratsch spaltet die Gemeinschaft, das Geschwätz zerstört die Gemeinschaft. Sie sind die Waffen des Teufels.“ (23. Januar 2014) „Schwätzen und Klatschen ist Terrorismus, weil der, der schwätzt und klatscht, wie ein Terrorist ist, der eine Bombe wirft und dann abhaut, er zerstört: mit der Zunge zerstört er.“ (4. September 2015) „Und das Geschwätz tötet!“ (21. Januar 2016) „Wir wollen um die Gnade der Einheit für alle Christen bitten (…) und um die Gnade, uns auf die Zunge zu beißen“ – sprach Franziskus am 12. Mai 2016 morgens in Santa Marta und machte sich auf zu den Ordensfrauen. Jeder Mensch ist ein Abgrund.

In einem Fall ist Franziskus nicht relativ, sondern absolut: in seiner Priesterschelte. Priester möchte man nicht sein in diesem Pontifikat. Prügel von vorn, Prügel von hinten hält der Bischof von Rom für sie bereit. Klerikalismus ist sein schlimmstes Schimpfwort, auch nun im „La Croix“-Interview. Das Priestertum ist in päpstlicher Wahrnehmung nahe am Sadismus gebaut, da regieren leicht Zeigefinger und Drohgebärde, Herrschsucht und eine potentielle „Folterkammer“ namens Beichtstuhl. Schriller, ungerechter lässt sich die pastorale Wirklichkeit zumindest im Westen, wo eine kuschelige Eiapopeia-Verkündigung dominiert, nicht verzeichnen. Da ist es kein Wunder, dass auf vatikanischem Grund und Boden und auch in der italienischen Bischofskonferenz die Stimmung so schlecht ist wie seit den Zeiten des Risorgimento nicht mehr. Kaum jemand fühlt sich nicht brüskiert, stöhnt nicht auf, wenn dem Regiment der Launen neue Überraschungen entsprießen.

Ein Uno-Generalsekretär mit Brustkreuz
 

Robert Spaemanns Kritik an der „reinen Situationsethik“ bezieht sich auf das jüngst veröffentlichte nachsynodale apostolische Schreiben „Amoris laetitia“. Damit vollziehe Franziskus auf dem Feld von Ehe, Familie und Scheidung einen Bruch mit der Lehrtradition, deren Folgen abzusehen seien: „Verunsicherung und Verwirrung von den Bischofskonferenzen bis zum kleinen Pfarrer im Urwald. (…) Das Chaos wurde mit einem Federstrich zum Prinzip erhoben. Der Papst hätte wissen müssen, dass er mit einem solchen Schritt die Kirche spaltet und in Richtung eines Schismas führt.“ Laut Franziskus – so Spaemanns Lesart – sei die Trennlinie zwischen „objektiv sündhafter“ und „gottgefälliger Verhaltensweise“ nicht mehr absolut. Ein Papst aber, der alles verflüssigt, ist kein Fels.

Als der solchermaßen Gescholtene am 24. April dieses Jahres als Überraschungsgast bei einer „Kundgebung für soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz“ anlässlich des „Internationalen Tags der Erde“ im Park der römischen Villa Borghese aufkreuzte, erklärte er spontan und situativ: Ob jemand „dieser Religion“ oder „jener Religion“ angehöre, spiele „keine Rolle! Alle gemeinsam vorangehen, um zusammenzuarbeiten. Sich respektieren, sich respektieren!“

Nicht dass jemand so redet, wie Franziskus redet, ist das Problem – sondern dass ein Papst so redet. Und dass damit ein Papst, dem nichts über den Glauben der Apostel gehen sollte, ununterscheidbar wird in der Riege der weltlichen Herren. Wenn der „Oberste Priester der Weltkirche“ ein in weiß gewandeter Dalai Lama sein will, ein Uno-Generalsekretär mit Brustkreuz, dann werden die essenziellen Aufgaben des Papstes zu Zufälligkeiten, zu Dreingaben, an denen je nach Situation festgehalten werden kann oder nicht: die Herde zu weiden, die Menschen zu Christus zu führen.

Von Franziskus sind in diesem spirituellen Kerngeschäft keine Terraingewinne zu erwarten. Nachhaltigkeit, Demut, Berechenbarkeit und Glaubensbildung sind seine Sache nicht. Der Nachfolger wird eine spirituell ausgezehrte und verunsicherte Kirche übernehmen. Diese Tragik wird das Pontifikat des Mannes vom anderen Ende der Welt überleben.

Amoris laetitia  – Barmherzigkeit

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ausstreuen wie Helikoptergeld

Amoris Laetitia – Keine biblische Warnung vor der Sünde, keine Mahnung Christi zur Umkehr

Sündenvergebung ohne Umkehr? Barmherzigkeit ohne Bereitschaft, nach Gottes Geboten zu leben? In einem Tagespost-Interview bringt der Salesianerpater  Markus Graulich kritische Anmerkungen zum Papstschreiben Amoris laetitia vor. Graulich ist ein hochrangiger Kurienmitarbeiter im Bereich des Kirchenrechts.

Ein Gastbeitrag von Hubert Hecker.  

Der Prälat weist darauf hin, welchen Anspruch Papst Franziskus selbst an den Text eines nachsynodalen Schreibens stellt: Der Papst soll als oberster Zeuge des Glaubens der gesamten Kirche sprechen, als Garant der Übereinstimmung der Kirche (…) mit dem Evangelium Christi und der Überlieferung der Kirche. Graulich ergänzt: Im Hinblick auf Lehre und Moral bedarf es der Einheitlichkeit. Denn katholisch ist nach der Definition des Vinzenz von Lérins, was überall, immer und von allen geglaubt wurde.

In der Anlage und in einigen Teilen verstößt das päpstliche Schreiben gegen diese Prinzipien der Katholizität.

Keine biblische Warnung vor der Sünde, keine Mahnung Christi zur Umkehr

  • Markus Graulich bemängelt, in der Kirche werde die Realität der Sünde nicht beachtet: In der Verkündigung kommt der Begriff ‚Sünde’ kaum noch vor. Alles scheint erlaubt. Die klare Botschaft Jesu, dass zur Annahme des Glaubens die Umkehr und die Bereitschaft gehören, Gottes Gebot zu leben, wird zum großen Teil unter den Tisch fallen gelassen.
Pater Markus Graulich SDB
Pater Markus Graulich SDB

Auch in dem nachsynodalen Schreiben werden Begriff und Realität der Sünde ausgeblendet. Der Papst hat sich der Forderung der deutschen Sprachgruppe angeschlossen, nicht mehr in normativen und negativ abgrenzenden Wendungen zu sprechen. Unter dieses Verdikt fallen dann auch die Verbote des Dekalogs – etwa: Du sollst nicht ehebrechen! Bei den ‚Liebesfreuden’ von Mann und Frau wird ebenfalls nicht mehr von Defiziten oder gar Sünde gesprochen. Man findet in dem Schreiben zahlreiche Worte von Ermutigung, Wertschätzung und Verständnis für die Schwächen und Fehler der Menschen – aber die Warnung vor der Sünde des Ehebruchs nicht. Und die Mahnung Christi zur Umkehr will man den Christen auch nicht mehr zumuten. Der Papst öffnet Türspalte und konstruiert Schlupflöcher für Menschen in ehebrecherischen Beziehungen. Dagegen fallen die klaren Worte Christi gegen Ehebruch und Wiederverheiratung unter den Tisch: Wer eine Geschiedene heiratet, begeht Ehebruch (Mt 5,32).  Der Papst schärft den Priestern ein, Ehebrecher und Ehebrecherinnen nicht zu verurteilen. Aber das Folgewort Jesu unterschlägt er: Gehe hin und sündige nicht mehr!  Der Papst zitiert das Evangelium selektiv.

Jesus sagt, der Ehebruch fängt mit dem begehrlichen Blick an (Mt 5,27). Und: Die Sünden wie Ehebruch und Hurerei kommen aus dem Herzen der Menschen (Mt 5,19).  Deshalb sind sie dafür verantwortlich. Franziskus dagegen erklärt die Sünden zu äußeren Verwundungen. Für die Verletzungen von außen aber hat der Mensch keine Verantwortung. Die Priester werden zu Krankenpflegern degradiert. Denndie Aufgabe der Kirche gleicht dem des Feldlazaretts (Nr. 291). In solchen Wendungen und weiten Teilen seines Schreibens bricht der  Papst mit der biblischen und kirchlichen Überlieferung.

Nach päpstlichem Neusprech steckt in jeder Unvollkommenheit graduelle Positivität

  • Christus mahnt seine Jünger im Evangelium, nach der Vollkommenheit des göttlichen Vaters zu streben (vgl. Mt 5,48). Entsprechend lehrt die Kirche seit jeher, dass alle Christen zur Heiligkeit berufen sind.

Der Papst relativiert diesen evangelischen Lebensansatz von Christen und Kirche. Die bisherige moraltheologische Unterscheidung von Sünde und Gutsein wird als Schwarzweiß-Denken desavouiert. An die Stelle tritt das neue Konzept der positiven Gradualität. Das wurde von Kardinal Schönborn entwickelt. Danach ist jede sündige Situation mit positiven Elementen der Wahrheit und Heiligkeitvermischt – mal mehr und mal weniger, eben graduell. Das Leben der Christen bewege sich in moralischen Grautönen. Sünde (schwarz) und Heiligkeit (weiß) werden zu Extrempolen ohne Relevanz für die Christen erklärt. Das nachsynodale Schreiben marginalisiert selbst die sakramentale Ehe zumallzu abstrakten theologischen Ideal. Damit wird sie als Maßstab für den Normalchristen irrelevant.

Schönborns neue Lehre von der moralischen Grauheit passt zu Franziskus’ neuer Barmherzigkeitsmoral.  So könnte die Kirche in jeder Sünde die ‚Positivität der Unvollkommenheit’ entdecken. Dazu dient die dialektische Begrifflichkeit, wie sie auch von Erzbischof Bruno Forte gebraucht wird, als Synoden-Sondersekretär Vertrauter des Papstes.  Der kuriale Neusprech ebnet den Weg für die neue Positiv-Pastoral – etwa bei vorehelichem Zusammenleben. Und auch in der Zweitehe könnte man nun die Paare ermutigen, in den positiven Dimensionen ihrer Liebe, Verantwortung und zeitweiligen Treue fortzuschreiten. Es entspricht der Logik dieses Ansatzes, dass damit auch diepositiven Elemente von Homo-Paaren gewürdigt werden könnten. Das ist zwar noch nicht im Synodenpapier geschehen, aber Kardinal Schönborn lässt das in seiner Diözese schon seit 15 Jahren praktizieren. Vor der weiteren Argumentation, auch im gelegentlichen Fremdgehen eine positive Bestärkung der ehelichen Liebe zu sehen, wird man hoffentlich zurückschrecken.

Ohne Maßstäbe und Regeln verkommt die kirchliche Pastoral zu Willkür

  • Prälat Graulich kritisierte einige Passagen des päpstlichen Schreibens, da sie zur Aufweichung jeder moralischen Norm genutzt werden können. Insbesondere die Aussagen im Hinblick auf irreguläre Situationen können einer Interpretation Vorschub leisten, die sich von der Lehre der Kirche entfernt. Außerdem würden bei den Ausnahmen weitergehende Konkretisierungen fehlen. Die Pastoral der Priester könnten daher in  mitleidigem Verständnis nur von subjektiven Kriterien geleitet werden.

Die neue Lehre der grau-vermischten Gradualität macht die bisherige Unterscheidung von regulären und irregulären Situationen obsolet. Mit der durchgehenden Qualifizierung von ‚sogenannter’ Irregularität will Franziskus offensichtlich den sündigen Zustand der ehebrecherischen Beziehungen verwischen und relativieren.

In diesem Punkt wird der Kontinuitätsbruch besonders deutlich. Franziskus zitiert zunächst Papst Johannes Paul II., dass es bei Gesetzen und Geboten keine Gradualität gebe. Klar, denn bei Abtreibung, Ehebruch, Diebstahl und Lüge gibt es kein ‚mehr Abtreibung’ oder ‚weniger Ehebruch’. Doch Franziskus macht genau das, was logisch und lehrmäßig nicht geht: Er wendet bei der Bewertung ehebrecherischer Beziehungen die Regeln der Gradualität an.

Auch in diesem Fall wird die Veränderung der Doktrin mit einer barmherzigen Pastoral übertüncht. Das Zauberwort heißt hier: pastorale Unterscheidung der sehr unterschiedlichen Situationen. Der Ort der Verwischung ist das Forum internum.  Das Gespräch mit dem Priester soll das Mehr oder Weniger des Ehebruchs abwägen.

Der Papst weiß um die schwerwiegende Gefahr falscher Auskünfte und dass die Priester schnell Ausnahmen gewähren können (Nr. 300). Aber genau das fördert er  durch sein Schreiben. Seine Weisungen führen zu uneinheitlichen Entscheidungen:

  • Franziskus erklärt die biblischen und kirchlichen Normen bei irregulären Beziehungen wie Zweitehen für nicht relevant. Aber nach welchen Kriterien soll die pastorale Unterscheidung getroffen werden, wenn der Papst ausdrücklich Regeln, Konkretisierungen und Orientierungen für diesen Unterscheidungsprozess ablehnt?
  • Im Forum internum sowie im Gewissen sollen klärende Rechtfertigungen und Entscheidungen getroffen werden. Doch ohne Bezug auf biblische und kirchliche Normen bleibt den Priestern nur subjektives Meinen. Auch das Gewissen der Betroffenen verkommt ohne Orientierung an allgemeinen und kirchlichen Normen zur Beliebigkeit der Situationsethik.
  • In den vielfach unklaren Aussagen zu ‚Forum internum’ und ‚Gewissensentscheidung’ (Nr. 300) können Priester und Betroffene einen Blankoscheck für Selbstexculpationen herauslesen.

Wenn keine Maßstäbe der Anwendung gelten, dann herrscht in der pastoralen Praxis Willkür: der eine Priester so, der andere anders; der eine Bischof hü, in der anderen Ortskirche hott.

Dieser Subjektivismus in der Pastoral stellt die Lehre der Kirche auf den Kopf:  Die gültige Lehre der Kirche lautet seit jeher, dass ein Christ bei schwerer Sünde ohne Umkehr den Stand der Gnade verliert. Nun verbreitet Franziskus die Ansicht: Es sei möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde, die subjektiv nicht oder nicht völlig schuldhaft ist, in der Gnade Gottes zu leben (Nr. 305). Philosophisch ausgedrückt: Es gibt ein gutes Leben im schlechten.

Auch die Logik der rationalen Ethik spricht gegen Franziskus’ Kehrtwende. Denn die folgende Einsicht ist logisch unabweisbar: Innerhalb von irregulären Organisationen – etwa bei Räuberbanden oder der Mafia – erhalten Verhaltensweisen wie Treue, Verschwiegenheit, Zusammenhalt, Verantwortung, Solidarität etc. ein negatives Vorzeichen. Die rationale Regel dazu lautet: Umstände und Konstellationen können die Natur einer positiven Handlung ins Gegenteil verkehren.

Dagegen soll man nach der neuen jesuitischen Franziskus-Regel von der graduellen Positivität aller Handlungen und Haltungen von den bösen Rahmenbedingungen einer Tat absehen können. Anders gesagt: Auch in der mit einem ethischen Minuszeichen bewerteten Tat will Franziskus ein Plus entdecken können – wenn auch nur graduell oder ein klitzekleines. Darüber hinaus vernachlässigt der Papst die Ethiklehre der Kirche seit Augustinus, dass bestimmte Handlungen intrinsisch (also in sich) schlecht sind – etwa Abtreibung oder Ehebruch. Sie können demnach weder durch subjektives Gutmeinen noch durch objektive Umstände in erlaubte Taten verdreht werden.

 Der Papst verwässert die kirchliche Lehre

  • Prälat Graulich verweist auf kirchliches Recht und Tradition zu den Bischofssynoden, die dem Papst bei Bewahrung von Glaube und Sitte sowie der Wahrung der kirchlichen Disziplin hilfreich beistehen.

Die kirchliche Lehre besteht etwa darin, dass Gläubige, die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren, vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen sind.   Zu dieser Gruppe zählen nachFamiliaris consortio von Johannes Paul II. die Christen, die bei Gültigkeit einer sakramentalen Ehe im Ehebruch einer Zweitehe leben. Graulich gibt zu bedenken, dass die im päpstliche Schreiben aufgeführten mildernde Umstände die Bedingungen für den Kommunionempfang nicht aufheben könnten.

Doch genau darauf läuft das nachsynodale Schreiben hinaus. Der Papst verwässert und durchlöchert an mehreren Stellen die kirchliche Lehre:

  • Ehebruch wird von Franziskus nicht mehr wie von Jesus und der Kirche als ‚Ehebruch’ und ‚Sünde’ benannt, sondern zur ‚sogenannten irregulären Situation’  banalisiert.
  • Bei den zahllosen Unterschieden der konkreten Situationen (Nr. 300) sollen zahllose Türen zu Ausnahmen und Auswegen geöffnet werden für den, der das so haben will.
  • Die Logik der päpstlichen Relativierungen von Normen und Regeln laufen auf subjektive Selbstrechtfertigungen hinaus, die dann als Gewissensentscheidungen ausgegeben werden.
  • Die Warnung des Apostels Paulus vor dem unwürdigen Kommunionempfang wird beiseite geschoben. Franziskus ignoriert die ernsthafte Verletzung der Gottesgemeinschaft durch die schwere Sünde. Das Altarsakrament wird bedingungslos  als Glaubensstärkung für alle hingestellt.

Der Papst benutzt Äußerungen von Synodenbischöfen, um die Bewahrung von Glaube und Sitte zu konterkarieren und die Wahrung der kirchlichen Disziplin zu untergraben. Er ist kein Zeuge für die Einheitlichkeit des katholischen Glaubens, sondern ein Förderer der Zersplitterung.

Ehebruch und Ehebrecher verstehen, verzeihen, begleiten und eingliedern

  • Der Kurienprälat wird gefragt: Lässt sich Amoris laetitia so weit auslegen, dass damit die bisher in Deutschland vielfältig geübte Praxis gerechtfertigt würde – etwa im generellen Zuteilen der Kommunion an Gläubige in Zweitehen oder der Segensfeier für Paare im Ehebruch?

Pater Graulich hält solche Segensfeiern, wie sie die Freiburger Handreichungen erlauben, für nicht gedeckt durch das päpstliche Schreiben. In der Tat: Papst Franziskus hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bei den unendlichen Differenzierungen der ehelichen und außerehelichen Situationen keine generellen Regelungen anzuwenden seien. Andererseits ist in dieser Auflösung aller Handlungsnormen eine neue Generalregel versteckt: Gegenüber allen geschiedenen Zweitverheirateten und Ehebrechern soll die Kirche verstehen, verzeihen, begleiten und vor allem eingliedern (Nr. 312). Am Ende hinterlässt die Lektüre von Amoris laetitia den Eindruck, dass die Barmherzigkeit eben doch wie Helikoptergeld über alle ausgestreut werde.

Ein weiteres pastorales Zauberwort heißt ‚ Integration’ in die kirchliche Gemeinschaft: Es geht darum, alle einzugliedern in das Leben der Gemeinde (Nr. 296). Selbst ein Ehebrecher, der eine objektive Sünde zur Schau stellt, als sei sie Teil des christlichen Ideals, soll in einfache Aufgaben der Kirchengemeinde eingebunden werden. Die alte Kirche hatte für  öffentlich bekannte Sünder Zeichen und Zeiten der Buße auferlegt. Franziskus dagegen will solche pharisäische Sünder mit Integration belohnen. Bei irregulären Situationen der Sünde betont er stets eine differenzierte Unterscheidung für die Betroffenen. Zum sechsten Gebot dagegen scheint er die zentrale Unterscheidung zwischen gebotener ehelichen Treue und Ehebruch für weniger wichtig zu halten.

Franziskus hat Kardinal Schönborn zum offiziellen Vorsteller seines Schreibens gemacht. Der Papst übernahm viele Gedanken von ihm. Daher hat er ihn als großen Theologen geadelt. Insofern darf Schönborn als authentischer Interpret des Papst-Textes angesehen werden. Der Wiener Kardinal hat mit einem gewissen selbstgefälligen Stolz herausgestellt, der Papst habe in seinem Schreiben bestätigt, was er in seiner Diözese schon seit 15 Jahren praktiziere: Die offizielle Zulassung von Zweitverheirateten zum Altarsakrament – bis hin zur Segnung von Paaren in einer Zweitehe, wie ein enger Mitarbeiter Schönborns nachschob. Der 15jährige Ungehorsam des Kardinals gegenüber der Lehre der Kirche sei durch den Papst belohnt worden. Diese Praxis des vorauseilenden (Un-)Gehorsams wolle man in Wien fortschreiben für andere Themenfelder z. B. die Segnung von Homo-Paaren. Diese entwaffnend offenen Vorstellungen des Wiener Theologe Wolfgang Bergmann werden mit einer entlarvenden Deutung des nachsynodalen Papiers begründet: Der Papst habe auf normative Vorgaben verzichtet. Damit habe er seinen Abschied vom Lehramt genommen.

Die Unklarheiten durch widersprüchliche Passagen scheinen Strategie zu sein

  • Prälat Graulich, Bischof Athanasius Schneider und andere Kirchenmänner bemängeln die Unklarheiten im päpstliche Schreiben sowie die daraus folgende Verwirrung in der kirchlichen Lehre und Disziplin. Auch weltliche Kommentatoren bezeichnen das Dokument als chaotisch oderschwammig .

Bei einer genauen Analyse des einschlägigen achten Kapitels ergibt sich, dass der Eindruck von Unklarheit durch widersprüchliche Aussagen erzeugt wird. Möglicherweise steckt darin zugleich eine Strategie, wie der Text auf unterschiedliche kirchliche Gruppen wirken soll:

Zur Beruhigung der konservativen Bischöfe und glaubenstreuen Katholiken sollen sicherlich Texteinschübe beitragen wie:
Die allgemeinen Normen stellen ein Gut dar, dass man nie vernachlässigen darf. Oder:
Auf die unverkürzte Vollständigkeit der Morallehre der Kirche ist zu achten. Und: Barmherzigkeit darf die Gerechtigkeit und Wahrheit nicht ausschließen. Außerdem beteuert Franziskus seine Treue gegenüber dem Evangelium und dessen Wahrheit. Diese Worte spiegeln Kontinuität in der kirchlichen Lehre vor.

Die Progressiven dürfen solche Sätze getrost überlesen. Sie scheinen auch wohl eher  eine Feigenblattfunktion zu haben. Denn in den folgenden Textaussagen spricht der Papst vielfach das Gegenteil aus wie: Barmherzigkeit ist die Fülle der Gerechtigkeit und Wahrheit. Oder: Die Orientierung an klaren Normen und Regeln führe zu einer kalten Schreibtischmoral und unerbittlichen Pastoral. Hinweise auf die kirchlich-moralischen Gesetze bei den sogenannten irregulären Situationen seien wie Felsblöcke, die man auf das Leben der Menschen werfe. Beichtväter, die sich an die kirchliche Disziplin halten, rückt das Schreiben in die Nähe von  Folterknechten.  Franziskus selbst schmälert die Anforderungen des Evangeliums, wenn er bei seinen 391 Zitaten nicht Christi Gebote und Verbote zur Ehe, seine Mahnungen zur Umkehr und seine Wehe-Rufe gegen Sünde und verstockte Sünder erwähnt. Der Papst verkürzt Christi biblische Lehre auf  Barmherzigkeit. Das dürfte eine Rückprojektion seiner willkürlichen Pastoral auf das Evangelium sein.

Die bisherige kirchliche Lehre wird für irrelevant erklärt

Aus dem Text kann sich jeder aus unterschiedlichen Passagen herauslesen, was er an Interpretationen hineinlesen will. Nach einer quantitativen und qualitativen Textanalyse wird allerdings auch klar, was die authentische Interpretationsabsicht des Papstes ist: Er hat die bisherigen kirchlichen Lehren und moralische Normen zwar nicht ausdrücklich aufgehoben. Aber für die Lebenspraxis der Kirche werden sie als irrelevant erklärt, ja sogar davor gewarnt. Mit dem Abschied von der Unterscheidung zwischen regulär und irregulär (Schönborn) hat der Papst die biblisch-kirchlichen Regeln als Maßstab des pastoralen Handelns abgeschafft. Im Übrigen trifft das Signal der Irrelevanz auch die Kurienmitarbeiter, die sich um die Lehre der Kirche und rechtlichen Regeln kümmern – wie etwa Kardinal Müller oder Prälat Graulich. Der Glaubenspräfekt sieht seine Rolle darin, das Pontifikat von Franziskus theologisch zu strukturieren. Bei dem nachsynodalen Schreiben zeigt sich, dass sich der Papst auf andere große Theologen stützt. Für Kardinal Müller blieb nur die nachträgliche Kommentierung übrig. Netter Versuch, spottete Christian Geyer in der FAZ, das Dokument nur auf die Lesart der Glaubenskongregation festzuklopfen.

Hoffen auf eine Kurskorrektur durch einen späteren Steuermann der Kirche

Amoris laetitia verstößt in Teilen gegen die Aufgabe des Papstes, Garant der Übereinstimmung der Kirche mit dem Evangelium Christi und der Überlieferung der Kirche zu sein – und damit Einheit und Katholizität zu wahren. Dieses Schreiben wird die praktische Spaltung der Kirche vertiefen:
Die Progressiven, Weltoffenen und Opportunisten werden mit Berufung auf den Papst und nach dem Vorbild von Kardinal Schönborn die biblisch-kirchliche Lehre bis zur Unkenntlichkeit verbiegen. Im Bistum Freiburg etwa wird man sich bestärkt fühlen, die Zweitehe von Geschiedenen weiterhin liturgisch abzusegnen. Das Bistum Trier will diese kirchenöffentliche Anerkennung von ehebrecherischen Zweitehen neuerdings einführen.

Auf der Gegenseite werden sich die glaubenstreuen Bischöfe, Priester und Katholiken weltweit an die (wenigen) Stellen im päpstlichen Schreiben halten, in denen die überlieferte kirchliche Lehre zum Ausdruck kommt. Darüber hinaus kann man die umstrittenen Stellen und Fußnoten notdürftig im Sinne einer Hermeneutik der Kontinuität interpretieren, wie das Kardinal Müller kürzlich bei seinem Vortrag in Spanien getan hat. Jedenfalls werden die konservativen Kräfte in Treue zum Evangelium festhalten an der bisherigen kirchlichen Lehre und insbesondere auf die Einhaltung der kirchlichen Sakramentenordnung achten. Die Bestärkung dieser Katholizität sollten sich die glaubenstreuen Kurienkardinäle zur Aufgabe machen. Für sie hat Christus gebetet, dass ihr Glaube nicht wanke. Und sie sollen ihre Brüder im Glauben stärken  (vgl. Lk 22,32).

Wenn Franziskus selbst seine widersprüchlichen und umstrittenen Aussagen nicht zurücknimmt, bleibt mit Prof. Spaemann nur zu hoffen, dass ein späterer Steuermann der Kirche die derzeitige Kursabweichung korrigiert.

Text: Hubert Hecker
Bild: MiL/Wikicommons

Jesus kommt bald!

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Februar 1998 / Dänemark Emanuel Minos 
Eine alte Dame von 90 Jahren aus Valdres in Norwegen erhielt 1968 eine Vision von Gott. Der Evangelist Emanuel Minos hielt Versammlungen ab in dem Ort, wo sie wohnte. Er Hatte sie getroffen, und sie erzählte ihm, was sie gesehen hatte. er schrieb es auf, meinte aber doch, dass es so unglaublich klang, und legte es in eine Schublade.

Dann, fast 30 Jahre später, begriff er, dass er über diese Vision mit anderen sprechen muss. Die Dame aus Valdres war eine wache und vertrauenswürdige Christin, vollkommen geistig auf der Höhe, die einen guten Ruf bei allen hatte, die sie kannten.

Hier was sie sah: „Ich sah die Zeit, kurz bevor Jesus kommt und der 3. Weltkrieg bricht aus . Ich sah die Ereignisse mit meinen natürlichen Augen. Ich sah die Welt wie eine Art Globus. Ich sah Europa, ein Land nach dem anderen. Ich sah Skandinavien. Ich sah Norwegen. Ich sah gewisse Szenen, die stattfinden werden, unmittelbar bevor Jesus wiederkommt, kurz bevor das letzte Unglück stattfindet. Ein Unglück, wie wir es noch nie zuvor erlebt haben!“

Sie nannte 4 Wellen!

1. Bevor Jesus wiederkommt und kurz bevor der „Dritte Weltkrieg“ ausbricht, wird es eine Art Entspannung geben, wie wir sie nie zuvor gehab haben! Es wird Frieden sein unter den Grossmächten in Ost und West und es wird ein langer Frieden sein. (Denkt daran, dass dies 1968 gesagt wurde, als der kalte Krieg auf seinem Höhepunkt war! E. Minos). In dieser Friedensperiode wird in vielen Ländern abgerüstet werden, auch in Norwegen, und wir werden nicht vorbereitet sein, wenn er losbricht. Der 3. Weltkrieg wird auf eine Weise beginnen, die niemand erwartet hat, von völlig unerwarteter Seite.

2. Unter den Christen wird eine laue Haltung ohnegleichen entstehen – ein Abfall vom wahren, lebendigen Christentum. die Christen werden nicht offen sein für ernste ermahnende, prophetische Verkündigung, bevor Jesus kommt.

Sie wollen nicht wie früher über Sünde und Gnade, Gesetz und Evangelium, Busse und Besserung hören. Statt dessen kommt ein Ersatz: Das Wohlstandsevangelium. Alles wird nur darum gehen, Erfolg zu haben, etwas darzustellen.

Es wird um materielle Güter gehen, Dinge, die Gott uns niemals auf diese Weise versprochen hat. Kirchen, Gebetshäuser und freikirchliche Gemeindehäuser werden immer leerer werden. (andererseits werden mit Millionenaufwand neue Prestigebauten errichtet!) Statt der Verkündigung, wie wir sie durch Generationen hindurch gewohnt waren, z. B. sein Kreuz auf sich zu nehmen und Jesus nachzufolgen, wird Unterhaltung, Kunst und Kultur die Kirchen, Bethäuser und Kapellen erobern, dort wo man um Erneuerung, Heiligung und Zubereitung auf die Wiederkunft Jesu flehend ringen sollte. Das wird in zunehmendem Masse so sein, kurz bevor Jesus wiederkommt.

3.Es wird einen moralischen Verfall geben, wie ihn das alte Norwegen so nie zuvor erlebt hat. Die Leute werden in wilden Ehen zusammenleben. (Das war 1968, und ich glaube nicht, dass es zu der Zeit den Begriff Zusammenleben, wilde Ehe, gab. E. Minos).

Große Unreinheit vor der Ehe und Untreue in der Ehe wird ganz natürlich sein und man wird es auf alle mögliche Weise entschuldigen. Das wird sich sogar in die christlichen Kreise einschleichen und wir dulden das. Auch das Widernatürliche (die Homosexualität) ist Sünde!

Kurz bevor Jesus wiederkommt wird Fernsehsendungen geben, wie wir sie nie zuvor erlebt haben. (Fernsehen war gerade 1968 nach Norwegen gekommen. E. Minos). Das Fernsehen wird mit Gewalt, grausamer Gewalt erfüllt sein, so dass die Menschen lernen zu morden und sich gegenseitig zu zerstören und man wird sich auf unseren Strassen unsicher fühlen.

Die Leute werden das nachahmen, was sie sehen. Es wird nicht nur eine Station im Fernsehen geben. (Sie kannte den Begriff “ Kanal“ den wir heute gebrauchen nicht. Daher nannte sie die Kanäle „Stationen“ E. Minos). Es wird genauso sein wie beim Radio, wo wir einen Sender nach dem anderen einschalten können und es wird voller Gewalt sein. Die Leute werden es als Unterhaltung benutzen.

Wir werden fürchterliche Szenen von Mord und gegenseitiger Zerstörung sehen – und das wird sich und der ganzen Gesellschaft ausbreiten. Auch Szenen der körperlichen Gemeinschaft in der Ehe werden im Fernsehen gezeigt werden. Das intimste Geschehen in der Ehe wird auf dem Bildschirm erscheinen. ( Das war 1968, und ich hatte protestiert mit dem Hinweis, dass wir Paragraphen haben, die so etwas verbieten. E. Minos). Da sagte die alte Dame: „Es wird so geschehen, und du wirst das sehen. Alles, was wir früher hatten, werd niedergerissen werden, und das Unanständigste wird unseren Augen gezeigt werden.“

4. Menschen aus armen Ländern werden nach Europa strömen. (1968 gab es so etwas wie Einwanderung noch nicht. E. Minos). Sie werdenauch nach Skandinavien kommen und Norwegen. Es werden so viele sein, dass die Leute negativ über sie denken und sie hart behandeln werden.

Sie werden behandelt werden wie die Juden vor dem Kriege. Dann wird das Mass unserer Sünden erreicht sein. (Ich protestierte über die Sache mit der Einwanderung. Ich verstand das zu dem Zeitpunkt nicht. E. Minos). Da strömten Tränen über die Wangen der alten Dame. „Ich kriege das nicht zu sehen, aber du wirst es sehen können.“ Dann kommt Jesus plötzlich wieder und der 3. Weltkrieg bricht!

Es wird ein kurzer Krieg sein. (Sie konnte ihn in ihrer Vision sehen.) Alles, was ich an Krieg vorher gesehen habe, ist das reinste Spiel im Verhältnis zu dem, und er endet mit Atombomben. Die Luft wird so verunreinigt sein, dass man nicht atmen kann.

Er wird über mehrere Kontinente kommen: Amerika, Japan, Australien und die reichen Länder. Das Wasser wird verdorben sein. Wir werden den Boden nicht mehr bearbeiten können. Das Resultat wird sein, dass nur ein Rest übrig bleiben wird. Und der Rest aus den reichen Ländern wird versuchen in die armen Länder zu fliehen, aber die werden ebenso hart uns gegenüber sein, wie wir zu ihnen waren. Ich bin so froh, dass ich das nicht mehr zu sehen brauche, aber wenn die Zeit sich naht, musst du Mut fassen und es sagen. Ich habe es von Gott empfangen. Nichts von dem allen ist im Gegensatz zu dem, was die Bibel sagt. Aber derjenige, dem seine Sünde vergeben ist und der Jesus als Herrn und Erlöser hat, ist geborgen.“

Wenn das Öl fliesst!

Ein Ältester aus der Pfingstgemeinde in Moss, Norwegen, Martin Andersson, war 1937 Zeuge dieser Prophetie in Moss.“ Wenn Öl aus der Nordsee und entlang der norwegischen Küste kommen wird, werden Dinge anfangen zu geschehen und Jesu Wiederkunft naht.“

Während dieser Worte standen die Leute in der Versammlung auf und baten den Mann, sich zu setzen und aufzuhören, solchen Quatsch zu erzählen. Denn 1937 war es Unsinn, davon zu sprechen, dass Öl entlang der norwegischen Küste gepumpt werden sollte. Heute sind alle grossen Ölgesellschaften der Welt dabei, Öl an Norwegens Küste zu fördern. Norwegen ist nach Saudi-Arabien der zweitgrösste Öl-Exporteur der Welt.

Jesus kommt bald!

Die Ereignisse der Endzeit und Jesu Wiederkunft gelten nicht nur einem einzigen Land wie Norwegen. Jesu Wiederkunft betrifft uns alle und niemand kann sich dem entziehen. Gleichzeitig können wir die Entwicklung in der Vision wieder erkennen, die Gott vor 30 Jahren unserer älteren Schwester im Herrn in Valdres gegeben hat.

Jesus kommt bald!

Gib dein Leben Jesus, wenn du es noch nicht getan hast. Lies das Wort Gottes, bete zu deinem himmlischen Vater und suche nach einer gesunden christlichen Gemeinschaft. Lerne den Herrn immer besser kennen und mach ihn bekannt!

Bereite dich vor, deinem Gott zu begegnen und hilf anderen dazu!

Von: Emanuel Minos aus Dänemark

Träume und Visionen – wie Muslime heute Jesus erfahren

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Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit vollzieht sich in der muslimischen Welt eine unvergleichliche Bewegung: Muslime erzählen, dass Jesus ihnen in Träumen oder Visionen erschienen ist und sie in seine Nachfolge gerufen hat. Dies geschieht u.a. in Ägypten, Saudi-Arabien, Iran, Jordanien, Syrien, Irak, Israel, Afghanistan und zentralasiatischen Ländern. Bis vor etwa 15 Jahren waren das nach Einschätzung von Tom Doyle einzelne Berichte, die er damals nicht ernst genommen habe. Aber inzwischen erzählen 25-30% der Konvertiten, dass Jesus ihnen im Traum oder in Visionen erschienen ist. Viele führt er dann zu anderen Konvertiten, um eine Einführung in den Glauben zu bekommen. Andere nutzen heimlich christliche Fernsehsender, um mehr zu erfahren. Viele Konvertiten gehen mit ihrem Glaubenswechsel ein hohes Risiko ein. Doyle berichtet stellvertretend für andere von einer jungen Frau, die nach ihrer Konversion vom eigenen Bruder ermordet wird.
Die beiden Autoren schreiben sehr anschaulich, mit viel Lokalkolorit und Einblicken in die Kultur, sehr spannend und emotional. Tom Doyle kennt alle Personen, von denen er erzählt, persönlich und hat die Berichte überprüft.

www.thalia.at/

http://www.amazon.de/Tr%C3%A4ume-Visionen-Muslime-erfahren-Geschichten/dp/3765542105/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1461178608&sr=1-1&keywords=visionen+und+tr%C3%A4ume

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